Ich wollte schon lange mal darüber schreiben, aber irgendwie fehlten mir bisher die richtigen Worte dazu. Keine Ahnung, wie gut mir das jetzt gelingt.
Aufhänger des Themas sind Worte von ein paar Leuten, die mit mir bei den Jesus Freaks waren. Glaubenskrisen gehören zum Christsein irgendwie dazu (ja, auch bei mir), aber mir wurde manchmal vorwurfsvoll an den Kopf genagelt, daß mir das Glauben ja viel leichter fällt, weil es mir ständig so gut geht. Wem es gut geht, der glaubt auch leichter, so die These.
Abgesehen davon, daß sich diese These durch die vielen Gläubigen in Afrika, denen es an sich schlechter geht als uns Europäern, widerlegen läßt, gehe ich mal mehr auf mein Leben ein.
Sicher ist mein Leben gesegnet, und ja, es ist auch nicht mein Verdienst. Aber damit Gott mich überhaupt segnen kann, muß ich diverse Dinge im Leben dazu richtig „schalten“, eben gewisse Entscheidungen treffen. Ich bin zB davon fest überzeugt, daß ich ohne Jesus beziehungsunfähig wäre. Zum einen, weil ich ohne Jesus nie gelernt hätte, eine Beziehung zu führen, wie ich sie jetzt führe, zum anderen, weil ich nie gelernt hätte, daß ich mein Leben nicht an einer Beziehung aufhängen sollte.
In den ersten Monaten der Beziehung wurde mir vorgehalten, daß „kein Sex vor der Ehe“ völlig unnatürlich und ungesund sei. Ich solle meine Freundin doch mal „ordentlich nageln“. Ich wette, hätte ich das damals nur versucht, wäre ich heute nicht verheiratet (weder mit meiner heutigen Frau, noch mit sonstwem). Ich hatte mich damals dafür entschieden, keinen Sex vor der Ehe zu haben und es war absolut richtig so. Ich lernte, Beziehung anders zu führen, und zB nicht auf Sex auszurichten (und das ist wirklich ein Lernprozeß!).
Ich lernte außerdem, Gott ernst zu nehmen. Man geht so durchs Leben wie ein Schiff auf dem Meer, man sieht manchmal nicht, daß es Untiefen oder Riffe gibt und man wird gewarnt. Ich erhielt mal gegen 1:45Uhr morgens einen Anruf von einer Bekannten, mit der ich an sich garnicht so viel zu tun hatte. Sie sagte, daß Gott zu ihr gesprochen hat und daß sie mir dies und das sagen müsse. Es war ein eindeutiges Stop-Schild, das ich beachtet habe. Macht mich das zu einem besseren Menschen? Nö, ich hatte mich vorher in eine schwierige Lage hineinmanövriert wo nur noch Umkehr half. Um auf das Bild zurückzukommen war es so als wären vor mir und seitlich von mir nur noch Untiefen und Riffe.
Es kostet ne Menge Stolz, zuzugeben, daß man sich verhaspelt hat. Ich will jetzt nicht sagen, daß eine Beziehung schiefgeht, wenn man Sex vor der Ehe hat, also, ich will da keine Regeln aufstellen. Darum geht es mir auch garnicht. Ich denke nur, daß Gott vor Dingen warnt, auch wenn man diese Warnungen gerne überhört, denn sie sind meist einfach unbequem. Oft werden sie von (unbequemen) Menschen ausgesprochen. Sicher, man muß alles prüfen, doch ich habe ziemlich schnell gemerkt, wenn etwas stimmt. Geprüft habe ich danach trotzdem.
Was ich jedoch nicht verstehen kann sind Menschen, die sich über Gottes Nicht-Eingreifen beschweren, nachdem sie offenkundig gewarnt wurden und trotzdem ihren Stiefel weitergelebt haben.