Das postfaktische Zeitalter

Ich dachte immer, Entscheidungen, gerade von Verantwortlichen, fußen auf Fakten. Vielleicht war das früher mal so, als man es sich (anscheinend) nicht leisten konnte, „postfaktisch“ zu handeln.
Heute fußen viele Entscheidungen auf Gefühlen. Das fand ich anfangs sehr verwirrend, weil ich ja weiß, das Gefühle nun wirklich nichts sind, worauf man sein Leben aufbauen sollte. Ich glaube, daß Gefühle letztlich ein Ergebnis von Gedanken sind. Und Gedanken könnte man sich ja aufgrund von Fakten machen. Also wären Gefühlswahlen ja dann doch faktenbasiert.
Das Ding ist jedoch, daß die meisten sich kaum um Fakten scheren. Redet man zB mit AfD-Befürworten, merkt man schnell, daß eben diese, ich nenne sie mal „AfDler“ glauben, daß die AfD das tut, was eigentlich die Linken im Programm stehen haben (zb eine gewisse Umverteilung von „reich“ nach „arm“). Wenn man versucht, mit Fakten zu argumentieren, heißt es dann schnell, daß die meisten Menschen die Fakten kognitiv nicht verarbeiten können. Ich bin mir da ehrllichgesagt nicht sicher, vielmehr scheint es mir eher so, als wäre die „breite Masse“ schlichtweg zu faul dazu. Es ist natürlich leichter, sich eine vorgekaute Meinung („scheiß Ausländer!“) anzueignen anstatt sie sich selbst zu bilden (und etwa mal zu schauen, wieviel die „scheiß Ausländer“ uns, verglichen mit zB den Steuerersparnissen von IKEA, Amazon & Co tatsächlich kosten). Entsprechend fallen dann auch die Wahlen aus. Und postfaktisch reagieren da meiner Meinung nach die derzeit regierenden Politiker darauf („wir verstehen den Rechtsruck nicht“), statt mal zu überlegen, ob es nicht vielleicht doch mit Geldverteilung, Lobbyismus und Aushöhlung vom Grundgesetz zu tun hat.
Postfaktisch erlebe ich auch die Benutzung von diversen „praktischen“ Dingen im Internet. Da werden im Prinzip Verträge per Touch (akzeptieren der AGB) abgeschlossen, ohne, daß man sich die Verträge durchgelesen hat.
Postfaktisch ist meiner Meinung nach auch die Tatsache, daß man Windows noch als ein „professionelles System“ benutzt. Dabei begünstigt es zumindest Industriespionage. Meine Beweiskette dazu: Seit 1999 ist bekannt, daß es einen „NSA-Key“ im Windows-System gibt. Seit 2013 (Snowden) wissen wir, daß es tatsächlich das ist, wonach es klingt. Und man ist sich recht sicher, daß die NSA Industriespionage (zumindest begünstigt. Faktisch sehe ich das simpel so, daß man Windows nicht mehr als „professionelles System“ sehen kann (wenn ich den Quellcode dazu nicht einsehen kann).
Aber es wird, wie es so schön heißt, „politisch beschlossen“. Wenn man dumme Entscheidungen trifft, heißt es dann eben auch, „das ist eben politisch“, also eine vornehme Umschreibung für eine Scheißentscheidung.
Wenn wir als Gesellschaft und Politik demnach nicht mehr der Realität ins Auge sehen können, weil sie uns (von den Medien) vorenthalten wird oder wollen, weil sie wir uns mit anderen Dingen davor ablenken, geraten wir alle in eine gewisse Schieflage, die heute schon bemerkbar ist, in Zukunft jedoch viel schlimmer sein wird.
Das Problem sehe ich dabei nicht in den Herausforderungen, die wir haben, sondern darin, daß man sich nicht mehr mit den Problemen beschäftigt, sondern oft irgendwie schnell handelt, um zu zeigen, daß man was tut. Aber eben diese Handlungen erscheinen mir ebenfalls „politisch“.
Ich könnte nun auch anführen, daß wir uns nicht wundern brauchen, daß wir so viele Flüchtlinge kriegen und wer glaubt, Frau Merkel hätte sie einfach so ins Land gelassen, irrt: Merkel reagierte, was hätte sie machen sollen? Einen Schießbefehl erteilen, um zig- oder hunderttausende abzuknallen? Nein, die Flüchtlingswelle ist ein Ergebnis von Waffenlieferungen, fehlenden Geldern zur Ernährung der Flüchtlinge vor Ort und dem Ruinieren der afrikanischen Wirtschaft durch EU-Handelsabkommen („TTIP für Arme“). Das Problem ist also nicht direkt Frau Merkel, die scheinbar unsere Grenze geöffnet hat, sondern die Gier der ganz Reichen (Manager von Waffenherstellern und anderen Großkonzernen), die den Hals nicht vollkriegen. Dagegen müßte man was tun, nicht gegen „die scheiß Ausländer“! Und ja, Frau Merkel bzw. deren Partei begünstigt genau das und wird (trotzdem oder deswegen?) wiedergewählt. Achso ja, und Realsatire ist meiner Meinung nach auch, daß sich jetzt viele darüber Beschweren, daß sie zum 4. Mal antritt. Dazu kann ich nur entgegnen „Wer Jahre und Jahrzehnte lang die Alternativlosigkeit gewählt hat, braucht sich jetzt nicht genau darüber wundern!“
Wahrscheinlich liegt ein Kernproblem in der unterschwelligen Aussage, daß das beste bereits hinter uns liegt und daß es damit unvermeidbar ist, daß wir immer mehr in die Scheiße geraten. Ich glaube jedoch, daß das Blödsinn ist. Möglicherweise geht es uns zu gut, daß wir uns immer mehr „politische Entscheidungen“ leisten können.
Ich bin an der Stelle immerwieder froh, Christ zu sein, auch, weil ich weiß, daß das beste noch vor mir liegt.

XMPP-Transport – Wovon redet der Mann?

Seit ein paar Tagen benutze ich diverse Transports auf jabjab.de (weil ich es auf meinem eigenen XMPP-Xerver noch nicht hinbekommen habe). Was ist das und wozu der Aufstand und was ist das sicher?

XMPP? XMPP ist im Grunde Jabber und Jabber ist Open Source, frei verfügbar und vergleichsweise uralt. Es ist ein Chatsystem bzw. -Protkoll, das früher u.a. von Google und Facebook benutzt wurde. Whatsapp hat es sich gekrallt und kastriert, verändert, es zu Closed Source gemacht – und dennoch ist Whatsapp bis heute XMPP ähnlich.

Nun bin ich schon lange ein Verfechter von Jabber, einfach schon deshalb, weil es für alle möglichen Plattformen vom alten Android-Handy bis hin zum PC verfügbar ist. Es ist meist SSL-Verschlüsselt und ja, es ist natürlich auch angreifbar. Was ich an Jabber noch schick finde ist, daß es in allen Multimessengern funktioniert, ohne, daß man groß was dran „rumschrauben“ muß.

Nun benutzen viele (in meinen Augen) gedankenlose Menschen eben leider die Whatsapp. Mich störte dabei weniger, daß Whatsapp nicht verschlüsselte, vielmehr, daß man sich zum Benutzen des Dienstes eine Datenkrake installieren muß, die so ziemlich alles abgrast und potenziell „nach Hause funkt“, was man so alles auf dem Handy eingegeben hat. Seit den Snowden-Enthüllungen mißtraue ich außerdem jeglicher Closed Source, weil man nicht nachvollziehen kann, was die jeweilige Software so alles hinter meinem Rücken anstellt. Sicher, das kann einem bei Open Source auch passieren, aber nichtsdestotrotz muß man nicht alles einem Konzern auf dem Silbertablett servieren. Ja, Whatsapp kostet kein Geld, aber es kostet Daten, deine und meine Daten, sofern sie auf dem jeweiligen Handy eingegeben wurden. Vollständige (je nachdem wie man es definiert) Datensätze über Menschen werden mit bis zu 15€ gehandelt. Daran erkennt man schon, daß Daten=Geld bedeutet. Dasselbe gilt wahrscheinlich für die Facebook-App (es ist ja derselbe Konzern). Was damit noch nervt ist, daß man für jegliches Chatsystem eine eigene App benötigt, die wiederum Prozessorlast, Datenlasst und damit Akkulaufzeit kostet.

Auf Jabjab.de kann man sich nun kosten- und datenlos anmelden (die Emailadresse, die man eingeben muß, wird nicht verifiziert). Dort kann man sich die Transport-Dienste „holen“. Das machte ich mit Pidgin. Bei Pidgin muß man zuvor noch das entsprechende Plugin einschalten (https://wiki.ubuntuusers.de/Pidgin/ weiter unten). Was auf der Wikipedia-Seite für XMPP-Transport becshrieben ist, ist für das icq-(„oscar“)-Protokoll, ältere Menschen erinnern sich noch daran ;-)). Auf Jabjab.de wird obendrauf noch Transporte für Facebook, Whatsapp, Yahoo, Telegram, IRC (noch ältere Menschen erinnern sich vielleicht…) und mehr angeboten.

Wie geht das dann konkret? Ein Programm, eine App, eine Verbindung für alles. Wie sieht das aus? Dazu muß man verstehen, wie XMPP funktioniert: Ähnlich wie Email. Eine Jabber-ID sieht so aus wie eine Email-Adresse. Während Jabber dezentral über mehrere Server funktioniert, so läuft bei Facebook, Telegram, Whatsapp, etc. alles über EINEN Server. Bei Jabjab.de hat man für jeden Transport einen extra (virtuellen) host, der wiederum als (virtueller) Jabber-Server fungiert. Hä?
Meine Jabber-ID ist hosnoopy@popps.org bzw. hosnoopy@jabjab.de. Sämtliche Facebook-Kontakte werden nach der Anmeldung des Transportes automatisch übernommen. Die Facebook-IDs werden in Jabber-ID umgewandelt. Im Hintergrund hat jeder Facebook-Nutzer eine ID. Diese ID hat 10 Ziffern. Also zB 1234567890. Transportiert hätte dann der Facebook-Nutzer mit der ID 1234567890 die Jabber-ID 1234567890@facebook.jabjab.de.
Für Whatsapp wäre es dann @whatsapp.jabjab.de, zB 4915234567890@whatsapp.jabjab.de – genau so müßte man bei Whatsapp jede Telefonnummer einzeln eintragen. Und ja, diese Nummern werden dann serverseitig gespeichert, d.h. man gibt jene Datensätze jabjab.de – allerdings muß man dabei keine ganze Namen verwenden.
Die Telegram-IDs werden automatisch übernommen, das geht aber leider aus irgendeinem Grund etwas hakelig. Yahoo meldet jedesmal, daß man sich auf der Yahoo-Seite anmelden muß. Alles andere habe ich noch nicht ausprobiert.

Bei der Registrierung des Transports (Pidgin: „Werkzeuge -> XMPP-Dienstsuche“) muß man für Facebook und Yahoo seinen Nicknamen eingeben und das dazugehörige Passwort, bei Whatsapp braucht man seine Telefonnummer und das dazugehörige Passwort.
Ich benutzte dazu das Pythonscript Yowsup, es gibt aber noch Wart. Funktionsweise: Man teilt Whatsapp seine Telefonnummer mit, an die dann eine SMS geschickt wird. Diese SMS enthält einen Registrierungscode, den man dann wieder an Whatsapp schicken muß. Erst dann erhält man ein (kompliziertes) Passwort, das man am besten per CopyPaste wegspeichert. Witzig: Unter Yowsup kann ich angeben, daß man statt SMS auch eine Voice-Nachricht bekommen kann – somit kann man auch Festnetznummern dort registrieren.

Einmal alles unter Pidgin eingerichtet, kann man die XMPP-Transporte mit jedem Wurst-Jabber-Client benutzen, zB Xabber unter Android.

Neues vom Dacia

KM 88000. TÜV. Zum 2. Mal. Er wäre fast durchgekommen, wenn, ja wenn nicht der Gastank so kaputtgerostet wäre. Nun muß ein neuer her. Oh man *Facepalm*
Renault, Dacia, ist das euer Ernst?!? Wie erbärmlich gehts denn noch? Dieses Auto ist _nicht_ billig! Ein Trost: Es kostet nur etwas 1/10 des neuen Motors, der beim letzten Mal (km 53000) fällig war. *tipptipptipp*

Man gönnt sich ja sonst nichts…

Wir haben seit 6 Jahren einen Flachbildschirmferneher. Nichts wirklich spannendes, er hat keinen DVB-S-Anschluß und ist – was ich gut finde – kein sog. „Smart-TV“. Smart ist das TV-Gerät weniger für den Kunden, sondern mehr für den Konzern, von dem das Gerät stammt.
Aber das ist meine persönliche Meinung, da es mir alles andere als behagt, wenn ich eine „digitale Blackbox“ rumstehen habe, die all meine TV-Gewohnheiten, inklusive Youtube, Mediathek, etc. „nach Hause funkt“.
Schon Ende 2012 habe ich mir daher den Raspberry Pi Typ B gekauft. Das ist ein (in der Fläche) Scheckkartenförmiger Computer (kein PC!) der in der Lage ist, auch Full-HD-Filme abzuspielen. Darauf lief zuletzt Raspbmc, im Grunde also ein XBMC/KODI, das auf einem Debian/Raspbian aufsetzt. Anders als mein Cubietruck hat der Raspberry Pi erstmal keinen Infrarotempfänger für eine Fernbedienung. Richtig gut ließ und läßt sich das Kodi mit Hilfe einer App vom Smartphone meiner Frau fernsteuern, aber das hat man ja nicht immer zur Hand und die Alternative auf dem Tablet ist nicht so funktional.
Seit ein paar Wochen habe ich mir nun den Nachfolger, den Raspberry Pi 2 gegönnt. Der hat mit seinen 4 Kernen à 900Mhz (nativ) schon ordentlich Rumms und vieles läuft geschmeidiger. Dazu habe ich mir noch einen Infrarot-Sensor (TSSP 4P38, 61¢t :D) gekauft. Achso, weil ich mich nicht weiter damit befassen wollte, kaufte ich noch den Freischaltcode für MPEG und VC-1, was mich zusammen nochmal 5,21€ gekostet hat. Das Gehäuse, das ich fälschlicherweise für den Rasbperry Pi 1 (also den alten) gekauft hatte, war eine Fehlinvestition, aber da es nur 99¢t gekostet hat, feilte ich mir das eben zurecht. Auf dem Raspberry Pi 2 läuft nun der Rasbpmc-Nachfolger OSMC. Wie schon vorher war die Installation (diesmal auf einer Micro-)SD-karte kinderleicht, im Grunde installiert es sich von selbst und startet dann neu.
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Den Infrarot (IR) -Sensor habe ich wie im Bild zu sehen angeklemmt: Spannungsversorgung: 3,3V (5V ginge wohl auch), Ground und als „Ausgang“ kommt das Signal an den GPIO-Pin 18.
Dennoch geht der IR-Sensor so noch nicht. Die grobe Konfiguration für den Raspberry Pi liegt in einer FAT32-Partition, von der aus das Ding bootet, in einer Datei Namens „config.txt“. Dort trägt man dann auch den MPEG- und VC1-Kode ein, aber das bekommt man dann auch von der RaspberryPi-Foundation gemailt.
In dieser config.txt muß folgendes stehen: dtoverlay=lirc-rpi
Bootet man neu, wird das Kernel-Modul für lirc (das ist eben jene Infrarotschnittstelle) geladen. Der Kernel vermeldet dann:
lirc_rpi: module is from the staging directory, the quality is unknown, you have been warned.
lirc_rpi: auto-detected active low receiver on GPIO pin 18
lirc_rpi lirc_rpi: lirc_dev: driver lirc_rpi registered at minor = 0
lirc_rpi: driver registered!
input: lircd as /devices/virtual/input/input1

Nun kann der IR-Sensor empfangen und den ganzen Quatsch an den Raspberry Pi bzw. dem Linux dadrauf senden. Das muß nun nur noch „entschlüsselt“ werden. Dazu gibt es im Verzeichnis /etc/lirc einen Link (lircd.conf), der auf eine der gängigen bereits vorbereiteten Fernbedienungen gelinkt ist. Da ich einen Samsung-Fernseher habe und diese Fernbedienung auch für den Raspberry Pi nutzen will, habe ich mit einem „ln -sf samsung-lircd.conf lircd.conf“ die Konfiguration/Dekodierung einer Samsung-Fernbedienung als lircd.conf(iguration) gelinkt. Nach einem Neustart funktionierte dann alles wie es soll. 🙂

Kosten: Raspberry Pi 2 38,50€, Micro-SD-Karte (SanDisk Micro SDHC 16GB) 15€, MPEG- und VC-1-Lizenz (5,21€), Gehäuse 0,99€, IR-Sensor 0,61€. Ein Netzteil benütige ich nicht, da ich 5V USB bereits am Webradio darunter habe (abgesehen davon hätte ich von diversen Smartphones und Tablets noch welche übrig), würde aber in eta 8€ kosten. Das macht alles zusammen gut 68€.

Mein Nachbar hat ein Samsung-Smart-TV, das weniger kann und dessen Handhabung, zB das Browsen in den Mediatheken, komplizierter bis unmöglich ist. OSMC hat ettliche Addons, darunter auch Youtube und Vimeo. Dazu läuft darunter ein vollwertiges Linux, das Netzwerkfreigaben auch irgendwie mounten und dem OSMC zur Verfügung stellen kann (NFS, SAMBA, UPNP,..), während das Smart-TV-Ding nur UNP kann. Kurzum: Wenn man sich etwas eingefuchst hat, empfinde ich das OSMC viel schöner (zu Bedienen) als die Closed-Source-Variante von Samsungs Smart-TV. Es gibt beim OSMC einen Menüpunkt „Favoriten“, in dem man Verzeichnisse bzw. Mediatheken-Einträge schieben kann, so greife ich sehr schnell zB auf „Die Sendung mit der Maus“ und „Unser Sandmännchen“ zu und habe, Dank ARD-Mediathek, stets aktuellen Zugriff und sehe dann die neuesten/aktualisierten Einträge.
OSMC auf dem Raspberry Pi2 erscheint mir billiger und est eben Open Source, sieht man vom Grafiktreiber ab. Sicher gibt es noch andere Varianten, diese erscheint mir am günstigsten und auch am leichtesten.

Der ultimative Urlaub – Elternzeit ;-)

Es ging am 18. April los. Ich packte das Auto – vermentlich – zuende und fuhr kurz vor Mittag los. Das Auto war voll gepackt. Der Plan: Ich fahre mit dem Auto, Theresa fliegt mit den Kindern nach. Ziel: Barcelona.
Vor der Schweizer Grenze fiel mir ein, daß ich das Babybay für unsren Manuel vergessen hatte. Ich rief an und sagte Bescheid. Was anfangs ärgerlich schien, entpuppte sich am Ende als Glücksfall. Theresa packte also stattdessen noch die Babymatratze mit ins Flugzeug.
In Frankreich wollte ich nicht die schnöde „Autoroute Soleil“ fahren, sondern übers Massif Central. Doch mit dem Überschreiten der Grenze in die Schweiz fiel mir ein: Hurrah! Ich hab den Fahrzeugschein zu Hause gelassen! Ich wollte Theresa Bescheid sagen, doch mein Handy ging nur auf „Netzsuche“. Ich kam gut voran, war gegen 17Uhr in Frankreich und gondelte erstmal Route National. Eine Autobahnabfahrt später löste ich dann aber doch das Ticket für die Autoroute. Ich passierte Lyon und stand vor St. Etienne im Stau. Es war ja Freitag Abend. Irgendwann wurde dann auch der Tank leerer und ich fuhr einen Carrefour ca. 40km vor Le Puy an. Der machte gerade dicht, doch das Cafe hatte auf. Ich ging also rein, freute mich über das „Free WLAN“-Schild (gibts in Frankreich und Spanien übrigens sehr oft!) und fing an, mein 23 Jahre altes Schulfranzösisch zu reaktivieren. Ich war überrascht, daß dort einer Deutsch konnte, so ging die Unterhaltung im Sprachenmix. Man empfahl mir ein Hotel in Le Puy und ich machte die Route in den Routenplaner auf dem Tablet. Der WLAN war übrigens kaputt und ich konnte keine Nachricht an Theresa absetzen. Also fuhr ich los und verfuhr mich erstmal und erreichtge gegen 22Uhr Le Puy. Das Hotel fand ich nicht, stattdessen machte mich das Einbahnstraßensystem wahnsinnig und ich fand eher durch Zufall ein ganz nettes Hotel – sogar in relativer Nähe zu einem kostenlosen Parkplatz. Dort gabs dann auch WLAN (Jabber) und Theresa packte den Fahrzeugschein ein.
Am nächten Morgen stand ich früh auf und verpaßte das Frühstück, bekam jedoch einen Kaffee. Ich hatte die Route National fast für mich alleine, was echt toll war. Ich erreichte dann die A75 und dort die Brücke von Millau. Für 7,90€ durfte ich so auf dem höchsten Bauwerk Frankreichs fahren. Es hat ungefähr so ausgesehen, als ich drübergefahren bin:
(Quelle: Stern)
Ich kam gegen 13Uhr in Barcelona an und den Flughafen samt richtigen Terminal fand ich gegen 14Uhr, wo der Rest meiner Familie auf mich wartete.
Weil ja in Spanien Siesta ist, konnten wir erst um 17Uhr bei unserer Bleibe einbuchen, also fuhren wir zwischen Barcelona und Cunit, wo unser erstes Domizil war, einen Strand an, dessen bewachter Parkplatz minutengenau abgerechnet wurde.
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Wir kamen dann recht pünktlich um 17Uhr in Cunit an und ich lud erstmal aus. Nach kurzem Nachdenken über Manuels Bett beschloß ich, ein Brett zu kaufen, auf dem man die Matratze legen konnte und fuhr erstmal einkaufen, wir hatten ja so gut wie keine Lebensmittel. Ich fand sogar einen Baumarkt, der mit für 8€ ein Brett zurechtsägte. Das Brett legte ich auf 2 Stühle und den ganzen Kladeradatsch klemmte ich mit unserem Bett an die Wand, fertig war das Babybay.
Wir hatten einen Pool an der Ferienwohnung, die ein umgebautes Weingut war. Sehr schön, jedoch auch für Mitte April recht kühl, aber es war gerade so nicht zu kühl. Wir gingen also an den Pool, oder ans Meer oder schauten uns dies und das an.

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Jonathan

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Von Cunit aus fuhren wir zwei Mal nach Barcelona, bis in einen Vorort mit dem Auto, dann per Bahn. Barcelona entpuppte sich öfter als kinderwagenunfreundlich, aber es fanden sich sofort bereitwillige Menschen, die halfen, das Ding zu tragen. Wir besichtigten die Innenstadt, Sagrada Familia, Park Guel und am ersten Tag waren wir im Aquarium.

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Insgesamt ist Barcelona jedoch – was Eintritte angeht – sauteuer, sodaß wir uns einiges verkniffen haben, um nicht arm zu werden. Wir waren also nicht in der Sagrada Familia, sondern im Gaudi-Museum in Reus, was viel mehr brachte und billiger war.

Nach 2 Wochen Cunit fuhren wir weiter nach L’Estartit. Vom schönen, ruhigen und beschaulichen Weingut in einen Ferienbunker, der in den 1980er Jahren hochgezogen wurde. Ich fand es grauenvoll, vorallem, weil wir am Samstag eines verlängerten Wochenendes ankamen und entsprechend viel los war. Ich war außerdem negativ beeindruckt von Wänden, die den Schall nicht zu dämmen, sondern noch verstärken zu schienen. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man dort – für ca. 1200€ pro Woche in der Hauptsaison – Urlaub machen kann. Immerhin war der Strand ohne Straße dazwischen in Laufnähe da und so waren wir dort entsprechend oft. In Cunit hatten wir ca. 1km zum Strand. Nach der ersten lauten Nacht folgten jedoch leisere, denn die meisten reisten tagsdrauf wieder ab.
Wir nutzten aber auch dortige Ferienangebote, wie zB eine Schiffsfahrt mit Sicht am Boden ins Meer, aber das war ebenfalls Sauteuer. Wir „wanderten“ ein wenig, ich hatte Manuel im Tragetuch am Rücken: ca. 5km in 5 Stunden :D.

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Wir lernten am vorletzten Tag noch eine sehr nette christliche Familie kennen und haben dann öfter was zusammen unternommen, vornehmlich zusammen gegessen. 🙂

Dann war die Woche in L’Estartit schon vorbei und es ging nach Frankreich. Heftig ist ja bei den Umzügen immer, das Auto zu packen.

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Ein paar Kilometer bei Sete, auf halber Strecker zum nächsten Domizil, machten wir Rast.

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Dann kamen wir in Charleval an und trafen dort auf Theresas Bruder mit Familie. Unsere Kinder fieberten dem ja schon einige Zeit entgegen. Und hier lassen wir es uns richtig gutgehen….

Jolla – Erste Eindrücke

Nachdem Nokia von Micro$oft aufgekauft wurde, das Nokia N9 (MeeGo/Linux) innerhalb der Garantiezeit kaputtging und dieses dann OHNE RÜCKSPRACHE von M$ gegen ein Lumia 820 getauscht wurde (das ich schnellstmöglich vertickt habe), legte ich meiner Frau also den Nokia-N9-Nachfolger Jolla zu.
Das Gerät ist augenscheinlich nichts besonderes, es ist, meine ich, hardwaremäßig mit einem Samsung Galaxy S2 vergleichbar. Dennoch wollte ich keinen Androiden, da mir Android einfach zu wackelig daherkommt (die Grenze zwischen Administrator und User ist dort meiner Meinung nach ziemlich verschwommen).
Auf dem ersten Blick merkte ich, daß es für das Sailfish-OS noch weniger Apps gibt wie für das Nokia N9. Wichtig war mir das Synchronisieren mit der eigenen OwnCloud auf meinem Heimserver. Es gab schon für das N9 ein Kommandozeilentool namens „Syncevolution“, das auch einigermaßen Tat, doch fing es eines Tages an, Blödsinn zu machen, so wurden Termine einfach mal gelöscht. Ich dachte, es läge am (doch dann recht betagten) Kommandozeilen tool, doch genau dieser Fehler setzte sich beim Jolla fort. Ich stieß auf den Hinweis, daß OwnCloud in Verbindung mit Sqlite3 bei höherem Datenvolumen anfängt, Unfug zu machen, also legte ich die OwnCloud-Datenbank auf einen MySQL-Server, so, wie es OwnCloud auch empfielt. Seitdem geht es wunderbar, SyncEvolution macht alles so, wie es soll.
Man findet fürs Sailfish noch so allerhand nützliche (native) Apps, manches fehlt mir jedoch. Da wir im Januar unser 3. Kind bekommen, wäre eine BabyPhone-App, wie fürs N9 schon gut, immerhin habe ich mir dessen Quellcode heruntergeladen. Angeblich wäre das Portieren aufs Sailfish nicht so schwer, da sich beide Systeme doch ähnlich sind.
Es fehlen auch die (Nokia-)Offline-Karten, aber man kann die Android-App dafür wohl installieren und nutzen. Android-Apps laufen in einer „Sandbox“ (sehr gut! da gehören sie auch hin :D!).
Wie beim N9 muß ich jedoch beim Jolla feststellen: Weniger ist mehr! So gibt es zB für Android gefühlte zig Apps, mit denen man ein XBMC (Rasbmc) fernsteuern kann. Alle Androidenapps, die ich ausprobierte, waren jedoch umständlich, so mußte man bei jeder die IP-Adresse des XBMC-Gerätes per Hand eingeben. Die passende Jolla-App findet es ganz alleine und man kann sofort und intuitiv loslegen. Man findet noch ne App für die Bahn (huch?!), Wikipedia, die Bibel (inkl. Volxbibel :D), Taschenrechner und mehr. Aber viele Apps sind es nicht. Man merkt, daß die Jolla-Entwickler an einer Vielzahl von Apps arbeiten, und dabei eben auch von ettlichen „freien Programmieren“ unterstützt werden, ähnlich, wie es beim N9 auch schon war. Kalender, Emailprogramm, Kontakte, Jabber (inkl. Facebook) funktionieren „out of the box“. Messengermäßig wird wohl emsig an einer Telegram-Implementierung gearbeitet, der Sailfish-Whatsapp-Messenger wurde von Whatsapp gesperrt, so, wie meine Whatsapp-Pidgin-Implementierung geperrt wurde (Whatsapp möchte, daß deren Dienst ausschließlich mit der eigenen und nicht mit eigengestrikter Software genutzt wird), aber Whatsapp paßt auch nicht wirklich zur Jolla-Philosophie ;-).
Die Jolla-Philosophie dagegen gefällt mir: Einfach, aber funktional und vorallem offen, das macht es übersichtlich. Aber: Es ist dennoch in gewisser Weise ein „Bastelphon“, mir gefällt sowas zu administrieren, und das, was fehlt, kann man per Yandex-Appstore (Android) wenigens annähernd komplettieren.

Meine Meinung zu Martin Dreyers Sendung – Obwohl ich sie noch nie gesehen habe.

Ich habe die letzten Wochen – nur am Rande – so mitbekommen, was Martin da wieder „ausheckt“. Ich schmunzelte am Anfang. Verrückt. Dann wurde ich ernst. Ist das sein Ernst? Ich schenkte dem ganzen zunächst keine Beachtung. Ich bekam mit, daß es um schnelles Heiraten geht, um Singles, die verkuppelt werden wollen. Naja, wenn sie wollen…?!

Dann las ich ein Interview von Martin. Er sprach ein paar Dinge an. „Singles leiden unter ihrem Singledasein“. Ja. Das tun sie. Und er will dabei helfen. Das ist wohl eine seiner Intentionen, die ich für gut halte. Aber gleich heiraten? Muß das sein? Ich denke, daß Singles, gerade wenn sie die 30 überschritten haben, in ihrer eigenen Welt leben und es sehr sehr schwer haben, da wieder rauszukommen. Sie „verkauzen“. Das Leben dreht sich stets um sie, immer mehr und immer schlimmer, je älter sie werden. Das ist meine nüchterne Beobachtung. Da hilft aus meiner Sicht keine TV-Sendung mit Rent-a-Pastor, sondern eine vielleicht eine charakterliche Roßkur, Beziehung kostet was, viel, sauviel, wenn man es genau nimmt. Das sage ich nicht, weil ich unter meiner Beziehung leide, nein, im Gegenteil, ich gebe aber sehr wohl zu bedenken, daß Beziehung nur unter Eingehen vieler Kompromisse funktioniert, Kompromisse, die unter anderem auch mal wehtun, die echt was kosten, nämlich große Teile des eigenen Lebens. Ich glaube, daß viele Paare, die sich da verkuppeln lassen, das eben erst in der Ehe erkennen.
Martin sagte außerdem „Wenn sich nur ein Paar zusammenfindet, dann hat es sich gelohnt.“ – Ich halte dagegen: „Es kostet zuviel, wenn sich auch nur ein Paar scheiden läßt, weil es sich halsüberkopf in einer TV-Sendung trauen ließ.“ Naja, daß das nicht ganz „halsüberkopf“ geschieht, ist mir auch klar, aber ich denke, es ist klar, was ich meine.
Auf der anderen Seite: Alle, die sich da verkuppeln lassen (wollen), wollen das eben auch bewußt tun. Sie sind erwachsen und keine Kinder und letztlich ist es deren eigene Entscheidung und nicht die von Martin.

In einem weiteren, gravierenden Punkt muß ich Martin jedoch Rechtgeben: Das mit der romantisierung der Ehe. Ich beobachte sehr oft, daß Beziehungen, die im Grunde „kleine Ehen“ waren, kaputtgingen, weil „die Gefühle wegwaren“. Warum sie weggingen, da wurde nicht mehr nachgefragt. Sie waren weg und damit war klar, daß die Beziehung am Arsch war. Ich kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. Es klingt vielleicht so, als würde ich von Teenagern erzählen. Stimmt. Aber bei weitem nicht nur, ich beobachtete, daß das mit dem Alter wenig zu tun hat. Für mich ist Beziehung und damit Ehe zu allererst eine Entscheidung, nämlich die Entscheidung für einen Menschen und nicht die Entscheidung, mich auf Grund meiner Gefühle (was oft seltsamerweise mit „Herz“ übersetzt wird) zu verlassen, denn Gefühle wechseln – oder folgen vielmehr den eigenen Gedanken. Und was man(n) denkt, das kann man doch entscheiden?! Die meisten entscheiden jedoch auf Grund von ihren Gefühlen und wundern sich, daß die Gefühle mit der Zeit „verschwinden“. Die Bibel zeigt für mich sehr wohl, daß die meisten Ehen und damit Beziehungen arrangiert wurden. Die von Gott gestiftete Ehe zwischen Isaak und Rebekka endete tragisch, während aus der Beziehung zwischen David und Bazeba, die im Grunde mit Sex and Crime begann, der beste König Israels hervorging.

„Die Ehe ist nicht heilig“, sagte Martin Dreyer. An sich stört mich diese Aussage. Bei näherem Hinsehen jedoch merke ich, was er damit meint. Er meint, daß die Ehe von Gott geschenkt ist. Ja. Aber man sollte sie nicht anbeten. Ich finde jedoch schon, daß man der Ehe als von ein Gott gegebenes Geschenk mehr Respekt haben sollte.

Insgesamt finde ich, daß Martin Dreyer sich bei der Aktion ziemlich weit aus dem Fenster lehnt, und ehrlich gesagt fürchte ich um ihn, daß er sich zu weit heraus lehnt und dabei abstürzt.

Erste Eindrücke und Gedanken in der Gemeindejugend

Bisher war es bei mir immer so, daß ich die Menschen „selbst gefunden“ habe, mit denen ich näher zu tun hatte. Oder sie kamen einfach so zu mir. Die Beziehungen knüpften sich quasi „von alleine“. Die meisten Menschen kamen auch kulurell sozusagen aus derselben Ecke wie ich, bzw. wie ich früher so drauf war. Ich konnte sie, glaube ich, daher auch besser verstehen, viele Gedanken nachvollziehen (auch wenn ich die Gedankengänge selten für gut befand, was ich auch klar sagte und sagen durfte).
Nun habe ich es mit „Frokis“ zu tun, das ist neu. Neu ist auch, daß ich quasi als Mitarbeiter rekrutiert wurde, obwohl ich von den Leuten kaum bis gar keinen kenne. Ich saß also meist nur da und beobachtete. Und ja, Lobpreis machte ich auch – wie angedroht ;-).
Dennoch war (bin) nicht in der Gruppe, sondern fühle mich eher draußen, was ich gestern im Gottesdienst besonders gemerkt habe, was wohl auch völlig normal ist, nur eben ungewohnt.
Jede „Generation“ hat ja so ihre Besonderheiten, diese würde ich mal als „Generation Daddel“ bezeichnen, bzw. „Generation Smartphone“. Viele hingen wie Junkies an ihren Geräten, um im Sekundentakt „informiert“ zu sein. Bei Gelegenheit breche ich vielleicht mal die Diskussion vom Zaun, was „informiert“ bedeutet, bzw. wo die „Information“ herkommt und wie interessant sie wirklich ist. Ganz ehrlich – mir wäre so ein Smartphone viel zu stressig, hinzu kommt bei mir noch, daß ich mir viele Gedanken darüber mache, was ich mit diversen Apps noch so alles von meinem Leben preisgebe, was mich noch mehr stressen würde ;-).
Ich hoffe, einige interessante Charaktäre näher kennenlernen zu dürfen, mal sehen, was das alles ergibt. Und nein, ich fühle mich nicht deplatziert oderso, ich denke einfach, daß sich vieles entwickelt, was eben Zeit braucht. Für mich ist es seit über 5 Jahren der erste „Job“ von Jesus außerhalb meiner Familie 😉

Einmal diagonal durch Neugrünland – mitm Rad

Ich hatte letztes Jahr die fixe Idee, mal zu Freunden bzw. unseren Patenkindern zu radeln. Heute habe ich den ersten Tag hinter mich gebracht. Ich wählte von Ober-Ramstadt aus eine Route durch den Odenwald bis an den Neckar bei Eberbach. Ich fuhr um 7:16Uhr los, in meiner Trinkflasche war Grobe Faßbrause. Es war ziemlich kühl und die Sonne ging kurz vorher auf. Das sah dann so aus:
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Ich kam ziemlich gut vorwärts, das Gersprenztal zog sich dann doch recht lange und so kam ich nach 1 1/2Stunden an den Abzweig in Richtung Waldmichelbach. Auch das ging sehr gut, und ich kam auf die B460, die ich dann bis zum Marbach-Stausee entlangfuhr.

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Der nächste Aufstieg war dann jedoch heftiger: Beerfelden. Eine Stadt aufm Odenwald, quasi. Viele Geschäfte dort stehen leer, sind zum Verkauf oder Vermieten. Ich war dann ziemlich verwirrt, weil ich nen Kaffee trinken wollte. In der Touri-Info (die aufhatte) schickte man mich zu einem Café, das ich nicht gefunden habe, dafür stieß ich auf eine Bäckerei. Die Bedienung dort war ziemlich nett und wir plauderten ein wenig. Ich bemerkte, daß ich meine Karten vergessen hatte, aber da war der Odenwald eh schon zu Ende. Der Bedienung erzählte ich mein Vorhaben und sie sagte, daß sich der Neckar „wie Kaugummi ziehen“ würde. Nundenn… In meiner Trinkflasche war ab dann Spezi, vorher hatte ich sie ausgenuckelt.

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Dann stürzte ich fast schon runter, mein Tacho (neu gekauft) erzählte mir was von 62km/h. Irgendwie fand ich das garnicht so schnell. Dann der Neckar. Ich fuhr erstmal die B37 entlang.

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Die Kilometerangaben am Necker sind verwirrend. Manchmal fuhr ich lat Straße 7km, aufm Tacho waren es nur 3km und umgekehrt. Das Spezi war alle und ich kippte dann Malzbier rein. In Neckarzimmern machte ich erstmal Mittag.

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Dort trank einer ein Spezi und gab mir den Rat, die Neckarseite zu wechseln, weil man da besser radeln könnte. Danke für den Tip. Dennoch zog sich der Neckar wirklich, gegen 14 Uhr erreichte ich Bad Wimpfen.

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Es ging recht zügig an Neckarsulm (besteht das eigentlich nur aus AUDI?) vorbei und ich fuhr quasi an Heilbronn vorbei, jedenfalls habe ich von der Stadt selbst kaum war mitbekommen. Ich war überrascht, wie nahe Lauffen ist. Doch in Lauffen hörte der Neckar-Radweg irgendwie auf, ich hatte mich verfahren, verließ das Neckartal auf der B27 und dachte „ganz verkehrt ist es nicht“.

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Das war ein bisschen blöd, weil da viele Autos fuhren und ich nicht immer auf einem seitlichen Weg ausweichen konnte. In Lauffen selbst sah ich mir großem Schrecken ein Radfahrschild „Ludwigsburg 42km“. Ich weiß nicht, wie man das hinkriegt, aber der Neckar scheint sich echt krass zu schlängeln. Ich gurkte querdurch. Eine Straße war gesperrt, die ich fuhr, ich konnte das Fahrrad an der Baustelle vorbei über seitliches Gras schieben :). Auch Ludwigsburg verwirrte mich radfahrtechnisch, da scheint ja garnichts ausgeschildert zu sein, aber ich fand kurz nach Ortsausgang einen Weg, der neben der Straße führte. Dann konnte ich nach Aldingen abbiegen. Das hörte sich für mich gut an und ehe ich mich versah, war ich wieder am Neckar und kam so an Stuttgarter Randbezirke. Es ging auch erstmal ganz gut am Neckar entlang, bis sich der Radweg in Bad Cannstadt irgendwie „auflöste“. Ich fuhr dann Landstraße weiter und kam nach Obertürkheim. Der Stern winkte.

Gegen 19Uhr kam ich in Esslingen an. 189km gefahren. Morgen gehts weiter, laut Google sinds morgen 101km, laut Google wären es heute 170km gewesen. Nunja 🙂

Ich bin bei meinem ehem. WG-Genossen, der mich dann auch zum Kroaten eingeladen hat. Dankeschön dafür :). Heute Nacht werde ich sicher guuut schlafen.

2. Tag. Es ging gemütlich los. Wir haben gut gefrühstückt und so gings um 9:36 wieder auf den Drahtesel. Es war wieder mehrere Male vewirrend, nach und durch Plochingen zu kommen, aber es lief dann. Ich gondelte den Neckar weiter hoch, bis ich die Lauter-Mündung erreichte.

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Dann wurde es steiler, ich schaltete einen Gang runter. Es schnörkelte sich durch Kirchheim unter Teck (bis ich mal begriffen habe, daß Teck kein Fluß sondern eine Burg ist!). Es zog sich zäh, aber immerhin war der Radweg klar, auch wenn er oft im Zickzack verlief.

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Gegen 12Uhr erreichte ich dann Oberlenningen. Dort machte ich in der Bahnhofsgaststätte Mittag. Es war eine witzlige Spellunke mit einem netten Wirt. Er schob eine Dr. Oetker-Pizza in den Ofen und gab mir sogar noch etwas Süßzeug aus ;-).

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Weiter gings, es wurde steiler, der Radweg endete und ich mußte auf der B465 weiterfahren. Die sollte sich die Alb seeeeehr lange hochschlängeln, war allerdings nicht so steil wie befürchtet (7%).

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Nach 20 Minuten war der Spuk jedoch vorbei und ich war oben. Die Alb an sich ist relativ langweilig. Ich brauchte ca. 1 1/2 Stunden um sie zu überqueren und stand dann am Albabstieg.

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Mit Spitze 67km/h (11% Gefälle) bin ich dann die Alb runtergeschossen und war in Schelklingen. Der Rest war dann relativ langweilig. Es ging bergab, ich kaufte in Ehingen mein Bahnticket für Sonntag nach Hause und kam nach insgesamt 307km in Biberach an.

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Und hier nochmal die Käffer:

Ober-Ramstadt – Hahn – Groß-Biberau – Brensbach – Nieder-Kainsbach – Gerprenz – Unter-Ostern – Erzbach – Hiltersklingen – Hüttenthal – Hetzbach – Beerfelden – Gammelsbach – Eberbach – Lindach – Zwingenberg – Neckargerach – Binau – Neckarelz – Neckarzimmern – Hassmersheim – Neckarmühlbach – Heinsheim – Bad Wimpfen – Neckarsulm – Heilbronn – Nordheim – Lauffen – Kirchheim – Gemmrigheim – Besigheim – Ingersheim – Ludwigsburg – Mühlhausen – Bad Canstatt – Untertürkheim – Obertürkheim – Mettingen – Esslingen.

Esslingen – Oberesslingen – Altbach – Plochingen – Wendlingen – Ötlingen – Kirchheim – Dettingen – Owen – Unterlenningen – Oberlenningen – Gutenberg – Feldstetten – Heroldstatt – Ingstetten – Schelklingen – Allmendingen – Ehingen – Weisel – Sontheim – Ingerkingen – Schemmerhofen – Warthausen – Biberach.

Lebensmitte / Midlife ohne Crisis ;-)

Nun bin ich also auch nach schwäbischen Maßstäben erwachsen oder „gscheit“ geworden. Potenziell ist damit mein Leben halb vorbei und potenziell gesehen gehts ab jetzt angeblich ja nur noch „abwärts“, glaubt man den Angstmachern. Ich denke dabei oft, daß das erstens nicht stimmen muß und zweitens, daß da vieles mit Lebenseinstellung zusammenhängt.
Wenn man so hört, daß das Leben „halb vorbei“ ist, scheint dabei mitzuschweben, daß man „bald“ stirbt und vielen macht das Angst. Mir nicht und das befreit ungemein, jedenfalls ist das gefühlt von mir so.
Faktisch gesehen habe ich in den letzten 3 Jahren noch nie so viel körperlich gearbeitet und faktisch gesehen fühle ich mich daher auch fitter als vor 10 Jahren, daß ich außerdem noch >3000km pro Jahr mit dem Rad fahre, das meiste davon zur Arbeit, tut natürlich sein übriges. Ich tue das ja nicht aus Jux und Tollerei, ich will ja mit vielem am Haus weiterkommen und das Radeln zur Arbeit geht nunmal am schnellsten, verglichen mit dem Auto (das ich dafür nicht habe) und dem ÖPNV.
Trotzdem bin ich 40 ;). Ich bin seit 15 Jahren glücklich verheiratet, habe 2 tolle Kinder, ein sog. „Eigen“heim (in Wirklichkeit gehört es natürlich der Bank), in dem ich gut wohne, super Nachbarn und eine wirklich gute Gemeinde, zu der ich nicht 30min fahren muß.
Alles in Allem bin ich derzeit dankbar für mein Leben und damit sehe ich auch keine Crisis – aber das ist sicher auch Einstellungssache. 😉