Im Lauf der Jahre meines Christenlebens habe ich viele Menschen kennengelernt. Sehr viele, die von Gemeinden oder eben Christen verletzt wurden und genau das auf Gott projizieren. Das wirkt auf mich auch erstmal einleuchtend. Ich habe auch einige Satanisten kennengelernt, die mit Jesus konfrontiert wurden, zum Teil machte Jesus diese Menschen auch frei. Aber „frei“ bedeutet in dem Sinn auch, daß sie die Freiheit besitzen, wieder zu Satan & Co zurückzugehen. Ich habe nie erlebt, daß Jesus irgendeinen Menschen zu sich gezwungen hätte. Wenn, dann waren es Christen, die auf diese Menschen (nicht selten lieblos) eingeredet haben. Das bedeutet aber, daß sie die Freiheit des Menschen aberkennen, oder das irgendwie versuchen?
Wir reden hier oft von „Freiheit“, oder „Religionsfreiheit“. Ich behaupte, daß die Religionsfreiheit von Gott erfunden wurde, er schuf den Menschen nunmal mit einem freien Willen, der sich für oder gegen ihn entscheiden kann. Ich glaube auch nicht, daß Gott dann etwa böse auf die Menschen ist, die sich gegen ihn entschieden haben, und vorallem glaube ich nicht, daß er sie (besonders hart) bestraft. Dennoch müssen diese Menschen die Konsequenzen daraus tragen, wie auch immer die auch aussehen.
Im Mittelalter machte man sogenannte „Hexen“ oder „Ketzer“ für verschiedene Katastrophen verantwortlich. Auch das ist, glaube ich, Blödsinn. Gott gibt bestimmte Rahmen vor, in denen man sich frei bewegen kann, in diesen Rahmen dir verschiedene Dinge einfach nicht passieren. Hast du zB nur Sex in der Ehe, brauchst du zB AIDS nicht zu fürchten. Investierst du dich in deine Ehe, hast du Scheidung nicht zu fürchten (gilt für beide Partner). Es sind, denke ich, einfach logische Zusammenhänge.
Wenn sich Menschen von Angst treiben lassen, sind sie auch nicht mehr frei. Pastoren zB, die vor „der Sünde in ihrer Gemeinde“, bzw. der Konsequenz daraus Schiß haben und die Sünde mittels Regeln oder anderene Aktivitäten ausmerzen wollen, sind da eindeutig auf dem Holzweg. Unter Christen höre ich oft den Schrei nach (mehr) Regeln, was mich irgendwo traurig macht. Ich denke, es gibt einen Unterschied zwischen Dingen, die man freiwillig annimmt und Dingen, die man aufgedrückt bekommt. So habe ich in meinem Leben Regeln, die ich freiwillig annehme und Regeln, die von außen auf mich einprasseln, aber an mir abprallen, weil ich sie für blödsinnig halte.
Sünde ist für mich dabei ein Begriff, der nichts anderes ist als die Umschreibung, daß Menschen Gott verfehlen, so, wie beim Bogenschießen ein Pfeil das Ziel verfehlt. Für Menschen, die von Gott nichts wissen wollen, oder garnicht an ihn glauben (wollen), müßte der Begriff „Sünde“ also völlig egal sein, denn sie verfehlen ja etwas, woran sie nicht glauben (wollen). Daher wundere ich mich über die Aufregung, wenn Christen sagen „Homosexualität ist Sünde“. Die Aussage finde ich erstmal sachlich richtig. Dasselbe gilt für die Aussage „Abtreibung ist Mord (im biblischen Sinn)“. Wie man jedoch mit der Sünde an sich umgeht, ist wieder eine andere Sache. Ich halte es da mit der Religionsfreiheit: Wer von Gott nichts wissen will, muß die Konsequenzen dafür selbst tragen. Für Christen sollte daher das Umgang mit Sünde anders laufen, die bisherigen Predigten darüber, die ich hörte, fand ich auch richtig gut. Fragt sich nur, wie das dann umgesetzt wird. Ich denke schon, daß für Christen da andere Maßstäbe gelten sollten als für Nichtchristen, denn Christen haben ihr Leben Jesus in die Hand gegeben, er ist Chef.
Stellt sich noch die Frage, wieso man sein Leben Jesus in die Hand geben sollte, wenn man im Gegenzug dafür anscheinend nur höhere (moralische?) Maßstäbe bekommt. Die Antwort ist: Man bekommt weit mehr als nur höhere Maßstäbe: Nämlich auch die Fähigkeit dazu, diese zu erreichen. Das macht uns nicht zu besseren Menschen, denn eigentlich können wir garnichts dazu, aber es macht uns frei, nämlich frei davon, Dinge zu tun, die wir eigentlich nicht tun wollen. Ich kenne Menschen, die wurden durch Jesus von Heroin oder anderen Drogen frei, nur so als Beispiel.
Vielleicht ist es die größte Freiheit für mich, daß ich nicht (mehr) an meinem Leben hänge. Das bedeutet nicht, daß ich selbstmordgefährdet oder leichtsinnig bin, aber ich fand es schon einigermaßen cool, einem Satanisten, der mir eine (wahrscheinlich ungeladene) Knarre an den Kopf hält und abdrückt, anlächelnd zu sagen: „Der letzte, der das mit mir gemacht hat, hat sich 3 Jahre später bekehrt. Heute ist er verheiratet und bekommt sein 3. Kind“. Denn seine Gesichtszüge sind sichtlich entgleist 😉
Es ist also eine innere Freiheit, die man bekommt, und die wertvoll ist.