Anfangs habe ich sie, muß ich gestehen, nicht wirklich ernstgenommen. Ich dachte zuerst, es wäre sowas ähnliches die wie APPD, aber für mich ist sie mittlerweile eine ernsthafte und hoffentlich auch bald für alle ernstzunehmende Alternative zum Nichtwählen.
Gestern war ich bei einem Treffen der Piraten in Darmstadt. Wir waren ca. 25 Leute und es ging um an sich trockene Themen stuktureller Art. Aber gleichzeitig bemühen sie sich um Basisdemokratie und nehmen alle, eben auch nicht-Mitglieder ernst. Ein bischen kam ich mir so vor wie im „MAK“ (Mitarbeiterkreis) der Jesus Freaks Darmstadt, nur, daß es bei den Piraten zumindest gestern friedlicher zuging.
Während einer (Raucher)Pause habe ich mit ein paar Leuten geredet, übrigens aus allen Schichten und Altersklassen, sofern man das bei 25 Leuten sagen kann. Es fanden sich Studenten, Angestellte, aber auch Selbstständige ein. Alle sehr frustriert von den sog. „etablierten Parteien“, die, wie ich, eine Alternative zum Nichtwählen suchen oder gefunden haben.

Wer jetzt denkt, dort gehe es anarchisch zu, oder sehr chaotisch, der denkt falsch. Die Gesprächsrunde lief sehr geordnet ab und es gab bei manchen Streitpunkten eine klare Ansage, zB, wenn man über etwas disktutiert, was man ohnehin nicht ändern kann (zB die Bundes-Satzung der Piratenpartei).
Ich fand es irgendwo spannend, gerade, wenn mehr oder weniger fremde Menschen wegen einer gemeinsamen Vision zusammensitzen und etwas bewegen (wollen).
Ich denke, gerade in unserer heutigen zeit, in der sich so viel verändert, in einer Zeit, in der schizophren die „etablierte Politik“ die 60 Jahre unseres Grundgesetzes feiern und gleichzeitig drauf pissen, geht es um viel. Noch nie in der Geschichte der BRD wurde die Politik so oft vom Bundesverfassungsgericht gerügt wie in den letzten Monaten. Und noch nie in der Geschichte der BRD wurde das unverhohlen mit einem Änderungswunsch (oder -Androhung? der (machthabenden) Politiker quittiert.
Ich möchte in 20 Jahren meiner Tochter nicht sagen müssen, daß ich heute geschlafen habe und durch Nichtwählen im Grunde die Machtverhältnisse abgenickt habe. Aber ich habe auch die Nase gestrich voll, weil ich mich nunmal verarscht fühle. Vielleicht werde ich dann auch politisch aktiver, aber bis zum Bundeskanzler will ich es nicht bringen *grins*







