War’s das? – Die Wahl 2013

Ich sehe die Wahl mit einem kleinen lachendem und einem großen weinendem Auge. Lachend, weils die FDP – ENDLICH!!! – nicht geschafft hat. Verflixt, das wurde aber auch echt mal Zeit! Weinend, weil die Personenwahl einer für Themen überwog. Anscheinend. Man muß mitnehmen, daß der Deutsche wähler belogen werden möchte. So wie 1990 Kohl versprach, daß keine Steuererhöhungen kommen werden, versprach Merkel 2013 dasgleiche. So wie 1990 die SPD von Steuererhöhungen sprach, sprach sie 2013 dasgleiche. 1990 hatte die SPD Recht, aber Kohl blieb Kanzler. Dem Volk ist es offenbar egal, belogen zu werden. Ich ticke da völlig anders: Ich will die Wahrheit wissen und möchte verstehen, was da so vor sich geht, auch wenn es wehtut und unbequem ist. Das hat, glaube ich, auch etwas mit Verantwortung zu tun: Wer sein Kreuzchen macht, übernimmt verantwortung und wenn man sein Kreuzchen aufgrund einer (offensichtlichen) Lüge macht, dann kann man hinterher immmer noch sagen, daß man es nicht gewußt hätte und damit hat man die Verantwortung für sich selbst schon wieder abgegeben. Woher ich weiß, daß es Steuererhöhungen geben wird? Nun, Griechenland ist nicht billig, wird nicht billig. Bis zur Wahl konnte Merkel das wohl noch recht gut verheimlichen, aber schon bald wird man es in Deutschland spüren. Falls es zu einer Koalition kommt, wird dann für die Steuererhöhungen natürlich der Koalitionspartner verantwortlich gemacht, nicht die Union, die kann ja nichts dafür, daß der Partner die Steuern erhöhen will. Geschickt eingefädelt kriegt deswegen dann der Partner bei der nächsten Wahl erneut eins aufs Dach. Perfide, aber weil oft so kurzsichtig gedacht wird, scheint das anzukommen.
Tja, und dann hat Deutschland den Überwachungsstaat gewählt. Ein Volk, das dem Staat Geld gibt, damit es selbst (mehr) überwacht wird. Wir haben bereits jetzt die Möglichkeiten, die Menschen zu überwachen. Wo in der DDR noch aufwendig Mikrofone versteckt wurden, muß man heute nur in einer App ein Programm verstecken, das, sagen wir mal das, was das Mikrofon so einfängt, „nach Hause“ funkt. Undenkbar? Ich vertraue einer Software, die nicht offen ist, grundsätzlich nicht und ich habe mit dem NSA-Skandal völlig Recht behalten. Wo unsere Regierung der NSA mal kräftig ans Schienenbein hätte treten müssen, wiegelt sie nur ab – und beendet die NSA-Affaire für beendet. Und das obendrein noch auf eine Art und Weise, die mich beleidigt (weil man mich anscheinend für so doof hält!). Dem Bürger scheint das aber egal zu sein, er merkt (noch!) keine Konsequenzen und viele denken, daß sie ja eh nichts zu verbergen hätten und vergessen dabei, daß die eigenen Grundrechte mir Füßen getreten werden. Erst, wenn es spürbar wird, wird da ein Umdenken kommen – aber möglicherweise ist es dann zu spät.
Ich beobachte, daß Strukturen entstanden sind, die ein totalitäres System begünstigen, nein, sogar ermöglichen. Wer anders denkt, könnte ausgespäht und auf perfide Art attackiert werden. Plötzlich hat er (unverschuldet und unbegründet) einen Schufa-Eintrag und wird damit zur Persona non grata. Das wäre nur eine Möglichkeit. Wo es meiner Meinung nach gilt, diese Strukturen einzudämmen, wählte Deutschland deren Ausbau.
Angst macht mir das nicht, ich weise nur darauf hin. Ich bin Christ und für mich sind all diese Dinge Anzeichen für den „nahenden Sommer“ (Matthäus 24,32; Markus 13,28; Lukas 21,30).

3 Gedanken zu „War’s das? – Die Wahl 2013“

  1. Angst macht mir das auch nicht. Wenn man sich schön angepasst verhält, passiert einem meist (oft) auch nichts in einer Diktatur….ähm einem Überwachungsstaat. Immer schön das machen, was alle machen und erlaubt ist, nicht fragen und nicht protestieren….und bloß keine Ansprüche stellen….dann passiert dir auch nichts…oder fast nichts. 😉

  2. Das, was du als Anzeichen für den „nahenden Sommer“ hältst, ist – zumindest was die Wirtschaft betrifft – in Wirklichkeit nichts weiter als eine periodisch wiederkehrende Phase, die völlig normal ist. Wir leben nicht in einer Marktwirtschaft, sondern im Kapitalismus, und wenn man dessen Historie betracht, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass im Kapitalismus die Devise „Nach der Krise ist vor der Krise“ gilt.
    Ein Blick auf die Wachstums- und Wohlstandskurve vom Mittelalter bis heute ist sehr erhellend: Bis zum 19. Jahrhundert tut sich nicht viel, und dann kommt ein Anstieg, der geradezu atemberaubend ist – der Beginn des modernen Kapitalismus. Man kommt nicht umhin, ihn als außergewöhnliche Kulturleistung des Menschen zu sehen. Doch auch Krisen gehörten immer dazu. Immer. Sie sind systemimmanent. Es wäre gut, wenn wir daraus lernen könnten, zumindest eines: Ohne Staat ist Kapitalismus nicht möglich. Nur wenn die Politik die richtigen Maßnahmen ergreift, funktioniert eine kapitalistisch ausgerichtete Wirtschaft. Auch die immer wieder beschworene Globalisierung („Wir können ja nichts tun“) ist eigentlich kein Hindernis.
    Das Problem unserer Tage ist, dass Politiker die Notwendigkeit staatlicher Eingriffe nicht begreifen. In den Krisenjahren um 1930 erkannte selbst Roosevelt – der alles andere als „links“ war -, dass der Staat die Dinge ins Lot bringen musste, wenn es irgendwie weitergehen sollte. Der „New Deal“ war keinesfalls nur ein Konjunkturprogramm, sondern auch ein Umverteilungsprogramm von oben nach unten, mit Spitzensteuersätzen von 70% und mehr – und das in den USA!
    Leider begreift auch die Bevölkerung nicht, dass etwas getan werden muss. Sie wehrt sich pauschal gegen Steuern, und zwar erstaunlicherweise auch dann, wenn eine überwältigende Mehrheit („Die Mitte“) davon profitieren würde. Die Grünen, zum Beispiel, denen man nach den Schröder-Jahren ja zu Recht Misstrauen entgegenbringen mag, traten mit einem durchaus vernünftigen Steuerkonzept zur Wahl an – und sind damit krachend gescheitert. Der Wähler will es nicht. Es ist also nicht einfach nur so, dass die Politiker Unsinn verzapfen. Vielmehr ist die Gesellschaft unfähig, die Zusammenhänge zu begreifen. Sie versucht auf Biegen und Brechen, ihre Besitzstände für den Moment zu bewahren, gegen Griechen und gegen Hartz4-Empfänger. Damit erreicht sie nur eines: Sie hilft, die Privilegien einer unglaublich reichen Oberschicht zu hüten. Das ist unendlich traurig.

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