Ich höre mir ja gerne Hartls Podcast an, vorallem wegen Glaubensdingen. Das vermischt sich freilich auch mit Politik, ich denke, wer Christ ist, wird auch irgendwann irgendwie politisch – in die eine oder andere Richtung, was ich auch irgendwie spannend finde. Bodo Ramelow behauptet von sich selbst, er wäre ein wiedergeborener Christ, war Ministerpräsident von Thüringen und im Zuge dessen stieß er eine Untersuchung um verfolgte Christen unter der SED-Herrschaft an.
Hartl propagiert im der letzten Folge vorallem die Freiheit, den „freien Markt“. Ein bischen `a la „der Markt regelt das schon“. Was ich aus Softwareperspektive nur mit einem energischen „AM ARSCH!“ beantworten kann: Der Kapitalist ist an einem freien Markt überhaupt nicht interessiert, sondern nur darin, sein Kapital so effizient wie möglich so anzulegen, um so viel Kapital wie möglich dabei rauszuschlagen. Beispiel: Micro$oft: Ein Konzern nahm in den 90er Jahren immens viel Geld in die Hand, um sein zusammengestupfeltes Murx-System unter die Leute zu bringen und schaffte es so, diesen Mist zu einem „Standart“ zu erheben. Bis heute. Linux gab es damals schon, es kostete NULL, lief weit besser, stabiler und effizienter (bis heute!). Aber es spielte nie eine Rolle, weil eben kein Kapital dahinterstand. Schnell schossen sich andere Firmen auf dieses Windows ein und dann gab es plötzlich Programme, die eben nur unter Windows liefen. So wurde jegliche Konkurrenz erstmal ausgespielt: Alleine durch Geld, und ja, wenn man so will, ist das eben auch „Wettbewerb“, oder anders gesagt: Monopoly. Daß ich so ein überaus ungerechtes System nicht gutheißen kann: Jo! Dann gab es Bestrebungen, dieses Monopol zu brechen. Christian Ude (SPD) als Oberbürgermeister von München zeigte Micro$oft den Stinkefinger und ließ seine Stadtverwaltung auf Linux umstellen. 2017 hieß es, es wäre fertig und hätte, ja, mehr gekostet als gedacht, sparte aber gegenüber einer Micro$oft-Lösung aber immernoch mächtig ein. Kurz danach kam sein Nachfolger, der aus dem NICHTS behauptete „Linux funktioniert nicht“, es log, weil, so behaupte ich, Micro$oft seinen Hauptsitz nach München legte. Lobbyismus.
Lobbyismus ist eben auch das, was unseren Staat bzw. die Innovationskraft lähmt. In der Energieversorgung sieht man das aktuell sehr deutlich, denn unsere Wirtschaftsministerin plant Stromenergiestruktur aktuell ohne bzw. mit weit weniger Batteriespeicher als bereits beantragt wurden, um mehr Gasturbinen aufstellen bzw. dann auch laufen lassen zu können. Ich sehe Lobbyismus als Arm des Kapitalismus, der die politischen Geschicke unseres Landes lenken soll. Da ist es übrigens egal, von welcher Partei, die gerade im Bundestag sitzt, behaupte ich. Ja, es gibt viele Lippenbekenntnisse, aber keine Taten. Die AfD halte ich da übrigens für die schlimmste Partei, eindrücklich, weil sie zB im Bundestag den Antrag stellte, die Wegzugssteuer abzuschaffen.
Inwieweit lobbyistisch die Linke drauf ist, kann ich schlecht sagen. Was ich aber sagen kann ist, daß sie bereits an mehreren Landesregierungen beteiligt war und in Thürigen einen Ministerpräsidenten stellte. Geräuschlos, wie ich in Erinnerung habe und der Ministerpräsident war sehr beliebt und wurde zu Gunsten der AfD trotzdem abgewählt. In Berlin macht man jetzt eben einen mords Aufstand, weil die Linke Wohnungskonzerne verstaatlichen will (was übrigens wohl sogar vom Grundgesetz gedeckt wäre..), weil eben diese Konzerne NICHT an mehr Wohnraum interessiert sind, WEIL sie so eben ihre Mieten effizient nach oben treiben können, was sie auch fleißig tun: Etliche Prozent der Miete fließen so direkt in die Ausschüttungen der Aktionäre. Warum? Auch, weil der Staat vor 20..30 Jahren die Sozialwohnungen verscherbelt hat. Etwas, was zB in Österreich nie passiert ist! da hat der Staat privatisiert und es ging nach hinten los.
Stuttgart21: Böses Beispiel! Wer glaubt, es gehe dabei um die Bahn, der irrt! Es geht um Grundstücke, die entstehen, wenn man einen Bahnhof unter die Erde verlegt. Also man versenkt einen Bahnung unter Tage und obendrüber verscherbelt man teuere Grundstücke in der Stuttgarter Innenstadt. Die Rechnung zahlt natürlich die Bahn und damit der Staat, ALLEN Warnungen zum Trotz, übrigens! Es war von vorne herein klar, daß das mindestens teuer bis gefährlich wird (Stichwort „Gipskeuper“). Auch hier sehe ich Lobbyismus, mindestens den.
Wenn es um Innovation geht: Wir hatten vor ~15 Jahren eine weltführende Solarindustrie in Deutschland, das „Solar Valley“ gab es damals in Sachsen-Anhalt. Warum ging sie ein? Weil China gesagt hat „Wir machen das auch, aber subventionieren das und schmeißen das Subventionierte so auf den Weltmarkt“, die deutsche Solarindustrie sagte „Lieber Staat, so können wir nicht konkurrieren, bitte subventioniert uns so wie China seine Solarindustrie subventioniert!“ und der Staat sagte „nö, kein Geld, das fließt schon in die Westdeutsche Kohle!“ und ließ unsere Industrie an der Stelle halt verhungern.
Wir sollen doch bitte weiter nur Autos bauen… und da bin ich inzwischen gegen ein Verbrenner-aus. Warum? Weil sich die effizientere Technik durchsetzt: Will ich eine Ölheizung fahren, die nebenbei etwas kinetische Energie erzeugt (70% Wärme, 30% kin. Energie, wens gut läuft), oder will ich mit ~70% Effizienz ein E-Auto, das ich vielleicht noch vom eigenen Dach „betanken“ kann? Ob mit oder ohne Deutsche Autos. Das ist Problem jener schneidiger CEOs, die Jahre lang ohne Risiko jede Menge Geld eingesackt und dabei visionslos gewirtschaftet haben. Protegiert wird das ganze aber trotzdem von einer Politik, die zB die Bahn noch immer bremst und das Auto stärkt. Der Tankrabatt kostet pro Jahr etwa 4x so viel wie das Deutschlandticket. Kommt er beim Verbraucher vollends an? Nein. Wer zwackt ab? Die Ölmultis. Auch hier: Lobbyismus, der lähmt.
Nicht der Staat an sich ist schlecht, denke ich, und ja, es wird hie und da zuviel reguliert, da bin ich ganz dabei, aber bevor man an der Stelle irgendetwas ändert, muß man den Lobbyismus bekämpfen, der in meinen Augen in Korruption übergegangen ist. Und eines ist doch allen klar: Ein korrupter Staat macht wirklich arm! Egal ob im Kommunismus oder Kapitalismus. Was ich sehe ist, daß der Lobbyismus jene Bürokratie erzeugt, die gerade einer störenden freien Innovation im Wege steht und stehen soll, damit alte Geschäftsmodelle aufrecht erhalten bleiben. Beispiel: Social Media Verbot für Kinder unter 13 und eine damit einhergehende Alterserfassung. In einer Zeit, in der sich das Fediverse einen kleinen Platz erobert hat, soll es sterben, weil die vielen Instanzbetreiber des Fediverse eben diese Erfassung nicht stemmen können. Da wird Politik für die großen US-Konzerne gemacht. Social Media IST problematisch, da könnte man aber mal inhaltlich an jene US-Konzerne rantreten. Was da läuft ist halt, wenn man so will, kriminell bis hin zur Volksverhetzung, die gnadenlos nach oben gespült wird, um Klicks zu erzeugen. DAS ist doch das Problem: Deren Geschäftsmodell, das einfach jeden Dreck verstärken läßt. Dagegen tut die Politik ganz opportun NIX. Ich sage bewußt „Politik“, weil der Staat letztlich von Politik gelenkt wird.
Und nun geht es um KI. Also da schüttel ich ja vollends mit dem Kopf. Die älteren erinnern sich: Vor 20…25 Jahren gab es jede Menge Abmahnungen von Anwälten, wenn man sich etwas urheberrechtsgeschütztes illegal runtergeladen hat. Das galt als „Diebstahl“. Was machen KIs heute? Sie scannen alles durch, dürfen das, da sagt keiner was, sie klaut, offen, ganz offen, zu Lasten von Kunstschaffenden, etc. pp. Schamlos. Und dann zerlegt sie das, was sie geklaut hat und setzt es „neu“ zusammen und verkauft das als „Eigentum“. Ich nenne das „Raub“, der politisch gedeckt wird, weil da keiner was dagegen sagt.
Und ganz am Ende: Die Superreichen. Mir geht es nicht um Betriebe, die meist mittelständige Betriebe sind (die übrigens keine Lobby mehr im Bundestag haben). Mir geht es nichtmal um ein Verändern vom Steuerrecht. Aber nicht wenige Experten behaupten, daß dem deutschen Steuersäckel pro Jahr irgendwas zwischen 100 und 200 MILLIARDEN Euro durch die Lappen geht, weil Steuerhinterziehung von Superreichen. Und wenn doch mal ein akribischer Steuerfahnder auf jemanden auf die Schliche kommt, wird er politisch ausgeschaltet. Beispiel: Steuerfahnderaffaire. Wenn wir ein Gesetz haben, muß das für alle gelten und nicht bei Pseudoeliten politisch ausgesetzt werden.
Wo ich ganz bei Hartl bin ist die seltsame unreflektierte Verknüpfung von Linken und Palästinensern. Und nein, ich leugne nicht, daß es dabei so aussieht, als betreibe die israelische Regierung da einen Genozid an den Palästinensern. Es sieht für mich sogar so aus als hätte die Regierung Netanjahu absichtlich den 7. Oktober zugelassen, um genau das tun zu können, was sie aktuell tun. Aber ganz sicher bin ich mir dabei nicht, Indizien sind aber da. Sicher ist, daß die Hamas und die Hisbollah Terror-Organisationen sind, die vorallem das eigene Volk, also die Palästinenser selbst, terrorisieren und unterdrücken. Israel läßt allerdings auch zB im Westjordanland durch radikale Siedler Palästinenser terrorisieren. Gewalt erzeugt Gewalt. Ein Politiker weiß das. Ich halte jedoch diese „linke Idee“ weniger für gefährlich, sondern mehr für naiv. Und er hat einen Punkt, wo er sagt, daß genau das zu einer „Religion“ werden kann: Wenn man an das, was man glaubt, unbedingt festhält, ohne sich dabei zu hinterfragen.
Ich bin Christ und ich hinterfrage (jedenfalls hoffe ich das) mich selbst und lasse mich auch hinterfragen. Es gibt Linke, die ticken genauso, mit denen kann man reden. Aber es sind, wie bei anderen Gruppen auch, die „Tiefreligiösen“, die am lautesten sind. Und ich fürchte, mit diesen Menschen kann man kaum diskutieren.
Zu guter letzt würde ich mich hier im Fediverse über einen Auftritt von Johannes Hartl freuen, vorallem, weil zumindest meine selbstgebastelte Bubble eher links tickt. Wobei: Ich habe auch viele Katholiken in meiner Timeline 🙂
@uli Ein paar Anmerkungen (das muss jetzt einfach 😉 )
Standard, nicht Standart 😉
Der Microsoft-"Umzug" war tatsächlich nur vom Münchner Vorort (Unterschleißheim im Kreis München) nach München, das sieht wirklich sehr nach Lobbygeschenk aus.
Zur Wahrheit mit den Wohnungen in Berlin gehört, dass es eine rot-rote Regierung war, die sie verkauft hat, zu einem Tiefstpreis. Ebenso, dass es eine schwarz-rote Regierung war, die mit ihrer "Wirtschaftskompetenz" via Bankgesellschaft Berlin (deren "Landesbank") die Stadt soweit ruiniert hatte, dass kaum eine gangbare Alternative gesehen wurde (auch nachdem einige andere Ideen auf Bundesebene nicht durchkamen).
Ebenso wird die Vergesellschaftung vermutlich vor allem als Symbolpolitik enden, weil die Vonovia in Berlin anscheinend tatsächlich relativ günstig daher kommt (auf der anderen Seite: das sind mittlerweile wohl überwiegend Bruchbuden). Der Effekt wäre vermutlich vor allem, dass die Dinger mal saniert werden könnten, ohne dass das die Mieten noch _weiter_ belastet (bei Vonovia würde das wohl als "Luxussanierung" behandelt).
Das Verbrenner-Aus (was ja jetzt, Ideen-des-Merz sei Dank, zum Verbrenner-Aus-Aus wird) hätte die Kfz-Industrie gezwungen, damit zu planen. Das wäre für den Standort hilfreich gewesen, weil damit die Nichtsnutze im Management keine Sonderlocken mit "hocheffizienten Verbrennern" mehr drehen können, um sich anschließend durch Massenentlassungen und mit Staatsgeldern retten zu lassen.
Selbst wenn wir durch dieses Mandat von außen die Nieten-im-Nadelstreifen geschützt hätten, hätten wir uns damit vor allem selbst geschützt, denn das Management fällt sowieso nicht tief. Der Vorteil fürs Management wäre aus meiner Sicht also eher ein… wie nennt man sowas, "Kollateralvorteil"?
Links-und-Palästina hat eine lange, bewegte Geschichte: Hier im Ort gibt es ein Denkmal für den Piloten der Lufthansa-Maschine Landshut (er lebte hier, seine Familie lebt noch hier) der starb, weil PFLP-Terroristen für ihre deutschen Partner RAF-Mitglieder aus deutschen Gefängnissen freipressen wollten. Auf der einen Seite – das sage ich als Linker – finde ich es nicht schlecht, dass dieser Aspekt mal etwas mehr ans Licht kommt.
Auf der anderen Seite sind die "Antworten" aus der Politik so verdammt vereinfachend, dass sie nutzlos sind.
Remote-Antwort
Ursprüngliche Kommentar-URL
Dein Profil
Warum muss ich mein Profil eingeben?
Diese Website ist Teil des ⁂ Open Social Web, einem Netzwerk miteinander verbundener sozialer Plattformen (wie beispielsweise Mastodon, Pixelfed, Friendica und andere). Im Gegensatz zu zentralisierten sozialen Medien befindet sich dein Profil auf einer Plattform deiner Wahl, und du kannst mit Menschen auf verschiedenen Plattformen interagieren.
Wenn du dein Profil eingibst, können wir an dein Profil senden, wo du diese Aktion abschließen kannst.