Wirtschaftliche Kolateralschäden?

http://www.20min.ch/news/wissen/story/Die-Rache-der-Muecken-29342795:

„Die Rache der Mücken
von Karin Leuthold
In Südamerika wütet die schlimmste Dengue-Fieber-Epidemie seit 2004. Auf der Suche nach dem Ursprung der Seuche machten die Wissenschaftler eine makabere Entdeckung

Der Norden von Argentinien, Paraguay, Bolivien und Brasilien werden zurzeit von der schlimmsten Dengue-Fieber-Epidemie seit fünf Jahren heimgesucht.

Bislang bestätigten die Behörden etwa 7700 Fälle, die Dunkelziffer wird als sehr hoch eingeschätzt.
Das Denguefieber ist eine Infektionskrankheit, die durch den Stich von der Aedes aegypty, auch Ägyptische Tigermücke oder Denguemücke genannt, übertragen wird. Die Symptome sind einer schweren Grippe ähnlich, können aber auch innere Blutungen umfassen. Deshalb zählt man das Denguefieber zu den hämorrhagischen Fiebern. Hohes Fieber, Schüttelfrost, Erschöpfungszuständen, Kopf-, Glieder-, Gelenk- und Muskelschmerzen, auffällig niedrigem Puls und metallisch bitterem Mundgeschmack sind Merkmale dieses viralen Infekts. Nach dem Fieberabfall kommt es nach vier bis fünf Tagen zu einem erneuten Fieberschub; danach entwickelt sich ein masernähnlicher Hautausschlag mit Lymphknotenanschwellungen.

Bislang gibt es gegen die Erkrankung weder eine Impfung noch eine spezifische antivirale Behandlung.

Die Aedes aegypty gedeiht in stehenden Gewässern, Pfützen, Wasserlachen in Schwimmbecken, Regenwassertonnen, offenen Wasserbehältern und Müllhalden.

Der Norden von Argentinien, Paraguay, Bolivien und Brasilien werden zurzeit von der schlimmsten Dengue-Fieber-Epidemie seit fünf Jahren heimgesucht. Bislang bestätigten die Behörden etwa 7700 Fälle, die Dunkelziffer wird als sehr hoch eingeschätzt. Neun Menschen starben in Argentinien seit Ende März an der Infektionskrankheit, die von der Stechmücke Aedes aegypti übertragen wird.

Monsanto hat die Finger im Spiel

Doch der plötzliche Ausbruch der Seuche kommt nicht von ungefähr: Der argentinische Agronom Alberto Lapolla verband in einer kürzlich veröffentlichten Studie die Dengue-Epidemie mit der Sojaanpflanzung in der Region. Seit Jahren beobachtet er eine Zunahme der gefährlichen Mücken-Art in unüblichen Zonen und zu untypischen Jahreszeiten.

Die Regierung schob die Schuld an der rasanten Verbreitung dieser asiatischen Moskito-Art auf andere: Der Erreger wurde aus Bolivien eingeschleppt – dort hat die Epidemie ihr Epizentrum mit über 6000 bestätigten Krankheitsfällen. Doch bei dieser These zu bleiben wäre etwas naiv.

Lapolla verglich in seiner Studie den geographischen Vormarsch der Dengue-Mücke mit der Ausbreitung der Sojabepflanzung: Die Gebiete überschneiden sich fast metergenau. Die Sojasprossen, die in Argentinien seit 1996 angeplanzt werden, sind genmanipuliert und werden vom US-Bio-Tech-Konzern Monsanto zusammen mit dem dazugehörenden Pestizid «Roundup» verkauft.

Monsanto versprach damals den Landwirten, die genmanipulierte Pflanze sei immun gegen das Pestizid, das hauptsächlich aus Glyphosat besteht. Damit seien ihre Ernten vor Ungeziefer sicher. Denn Glyphosat ist ein derart starkes Gift, dass es alle anderen Pflanzen und mehrere Tierarten vernichtet.

«Das Glyphosat tötet Fische, Frösche und Kröten, d.h. alle natürlichen Fressfeinde der Moskitos, von denen sie sich ernähren», schrieb Lapolla abschliessend in seinem Bericht. In den Flüssen und Seen rund um die Sojaplantagen sind die Amphibien so gut wie ausgerottet – die Dengue-Mücke kann sich dort ungestört vermehren.

Monsanto dank Menem zugelassen

Wie die argentinische Tageszeitung «Página 12» nun herausfand, wurde das Produkt des US-Konzerns Monsanto nur mit Hilfe von Unregelmässigleiten während der zweiten Regierung von Carlos Menem zugelassen: Der damalige Landwirtschaftsminister Felipe Solá unterschrieb am 25. März 1996 eine Verordnung, die den Import der genmanipulierten Sojapflanzen von Monsanto ermöglichte – drei Tage bevor sich die juristische Abteilung des Ministeriums zur Entscheidung äusserte, und ohne jegliche Berücksichtigung von Wissenschaftlern, die vor einem «unbekannten Weg» warnten, «der äusserste Vorsicht erfordert».“

Mein Kommentar dazu:

Hier sieht man, welche Schäden Gentechnik anrichten können. Vielleicht vergleiche ich hier Äpfel mit Birnen, oder eben Soja mit Mais, fest steht für mich jedoch, daß Monsanto hierbei fette Gewinne einfährt, und das Volk darunter leidet. Ich glaube nicht daran, daß Monsanto sich irgendwie um die Probleme, die damit entstanden sind, schert.

Die Bundesverbraucherministerin Aigner hat den Anbau von MON810 in Deutschland verboten. Nach meiner Einschätzung ist das nur ein Werbegag der CSU, weil sie um ihre 5%-Hürde im Bundesgebiet bangt und damit (erstmals?) nicht ins Europaparlement einziehen würde. Auch die CSU weiß, daß etwa 80% der Deutschen gegen genmanipuliertes Essen sind und versucht so, Wähler für sich zu gewinnen.

Ich glaube, daß das nach der Wahl schnell wieder vergessen sein wird, auch wenn sich Herr Söder vehement für ein genfreies Deutschland einsetzt. Die Lobby, die vorallem in der CSU vorhanden ist, scheint mir stärker zu sein. Immerhin hat CSU-Chef Seehofer in den 90er Jahren Monsanto erst ins Land gelassen, das dürfen wir nicht vergessen.

csumonsanto

Das Wahlplakat der CSU habe ich mal eben für mein Empfinden korrigiert. :]

6 Gedanken zu „Wirtschaftliche Kolateralschäden?“

  1. Mir stellt sich sofort die Frage, wieso diese Mücke nicht von dem achsotollen Gift getötet wird.

    Dies zeigt übrigens NICHT, welche Schäden Gentechnik anrichtet, sondern welche Schäden verantwortungsloser Umgang mit Giften anrichtet. Das Problem würde genauso bestehen, wenn die Pflanze auf „natürlichem“ Weg erzüchtet worden wäre. Gentechnik per se ist NICHT die Ursache dieses Problems und ein Verbot von Gentechnik würde keine Linderung mit sich bringen.

    Wieso die CSU für dich für Monsanto steht, müsstest du noch erklären, da kann ich kein Wort dazu finden. Und wenn sie sich dem Wählerwillen zumindest vordergründig beugen, ist das doch erst mal ein Teilerfolk, und darin sich nach der Wahl an nichts mer vorher gesagtes zu erinnern unterscheidet sie genau gar nicht von den anderen Parteien.

  2. Monsanto hat das Gift verkauft, es geht dabei nur um reinen Profit, Menschenleben ist dieser Firma offensichtlich egal. Ähnliche Fälle gab es im Vergangenheit mehrere, Fälle mich als Politiker vor einer solchen Firma warnen müssen. Herr Seehofer hat als Landwirtschaftsminister diese Firma ins Land gelassen. Außerdem hat sich die CSU in den letzten Jahren nie wirklich konsequent gegen Genforschung positioniert (auch wenn Frau Aigner MON810 verboten hat, werden andere Sorten von Monsanto ausgeäht), während andere Parteien das klar taten. Ein Indiz dafür, daß in der CSU mindestens eine starke Lobby von Monsanto & Co vertreten ist.

  3. Ich wiederhole nochmal: Durch ein Verbot von Gentechnik verhindert man das Prob lem nicht, man verschiebt es nicht mal wirklich. Das Problem ist, was du eingangs sagst, Proftit über Leben zu stellen. Und da fehlt es mir tatsächlich an guten Ideen, dem politisch zu begegnen.
    An den Regelungen zu Patenten scheint mir ein guter Ansatzpunkt zu sein. (Das allein erzeugt ja die Monopole, und die sind das Kernproblem.)
    Die Parteien, auch gerade die, die typischerweise gegen Gentechnik sind, haben da auch nur eher lächerliche Ideologien, die bisher scheiteren, wenn sie nocht ohnehin nur Wahlversprechen waren. Keinen Furz besser als die CSU.

  4. Erstmal braucht man bei genveränderten Pflanzen oft anders, als behauptet, mehr Spritzmittel, zweitens schiebt man damit den großen Konzernen (wie Monsanto) mehr (Markt)Macht zu. Und das kann, nein, muß man politisch verhindern, wenn wir weiterhin unlizenziertes Essen kaufen wollen. Durch die Genwirtschaft wird der Bauer wieder zum Leibeigenen (der Genfirma). Daß der Konsum von der breiten Masse „von oben gelenkt“ wird, sieht man ja deutlich. Klar, das ist Kapitalismus, das ist halt unser System. Dennoch wird in diesem System an anderen stellen (auch) politisch geschraubt (Abwrackprämie, etc). Warum nicht auch beim Gengeraffel?
    In Bayern gibt es im Grunde 2 Parteiiungen für und wider genmanipuliertes Essen: Die CSU und ein Bündnis aus dem Rest, incl. Bürgerinitiativen. Da weiß ich schonmal, wen ich nicht wähle.
    Daß andere Parteien auch Scheiße bauen (Lügilanti…) ist mir klar, aber hier geht es, das begreift anscheinend keiner, um unsere nackte Existenz, also, unser Essen.
    Wie größenwahnsinnig muß ich als Firma sein, wenn ich „nothing should be grown that we don’t own“ (mehr oder weniger offen) auf meine Fahnen schreibe? Wie dumm oder geschmiert muß ich als Politiker sein, um einer solchen Profitbrut auch nur einen Finger zu reichen?

  5. Abwrackprämie, Gen-Gesetze….ein kleines Beispiel wie staatliche Lenkung etwas erreichen kann wenn auch nicht (ganz) in gewünschter Richtung:

    Es mag schon einige Zeit her sein, da gab es in Indien ein Schlangenproblem, genauer gesagt: viel zuviele Kobras krochen da herum.

    Die damalige britische Verwaltung setzte daraufhin ein Kopfgeld auf jede gefangene Kobra aus.

    Einige Inder wollten sich ein Zubrot verdienen und kamen auf die findige Idee Kobras zu züchten.

    Als dann das Kopfgeld wieder abgeschafft wurde, war natürlich das Schlangenproblem bei weitem größer als je zuvor!

    Also so kanns auch gehen…….gelle?!!

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