Elektronik als Persönlichkeitsprothese

Im Grunde ist es ja nichts neues, daß Menschen sich gerne mit Schnickschnack umgeben, um damit ihre Aura aufzupolieren. Da war, vielleicht bin ich auch keine Ausnahme, nichtsdestotrotz beäuge ich es kritisch. Vor 30 Jahren hatte man einen Walkman, der dann zu einem iPod bzw. MP3-Player wurde. Apple machte aus dem Musikgeschäft mehr Blingbling und damit mehr Geld für im Grunde dieselbe Sache: Musik aus einem Elektronischen Gerät. Vor 30 Jahren gabs schon unterschiedliche Kassettenabspielgeräte und schon damals prahlte man mit dem „echten“ von Sony. Aber das war damals nicht so ausgeprägt wie heute, weil sich damals nur wenige den „echten“ Walkman von Sony leistete. Ich hatte nie einen echten ;-).
Apple legte mit dem Smartphone nach. Die Konkurrenz schlief nicht und heute hat im Grunde „jeder“ ein Smartphone. Der Unterschied ist zum Walkman oder (älteren) MP3Player jedoch, daß die Dinger tatsächlich vernetzt sind und damit leicht zu Anrgriffszielen werden können, sofern deren Software nicht auf dem aktuellen Stand ist. Da sage ich auch nix neues und viele langweilen sich, wenn sie so etwas lesen oder hören (müssen). Auch der Gedanke, daß man bei diesen Updates auf Gedeih und (eher) Verderb den Herstellern ausgeliefert ist, wirkt auf die meisten nerv(töt)end. Dennoch: So isses halt!
Ich betrachte das alles eher mit Softwarevernunft und stelle dabei die Hardware in den Hintergrund. Zum einen, weil ich keinen 8kerner mit 4GB RAM im Handy brauche, zum anderen, weil ich es für befremdlich halte, das Smartphone als eine Art Schmuck zu benutzen. Vielleicht sollte man einfach mal ein großes, dickes Smartphone auf den Markt bringen, das zahlreiche bunte LEDs eingearbeitete hat, die mit verschiedenen Apps lustig blinken können. Oder die Nacht erhellen. Was weiß ich.
Ich betrachte das alles recht nüchtern: Was will ich damit? Kommunizieren, Termine verwalten, vielleicht auch mal ein Bild machen. Mehr nicht. Dazu brauche ich keinen 8Kerner. Dazu brauche ich auch keine 4GB RAM. Dazu reicht ein 3-4 Jahre altes Handy von Ebay aus. Genau deswegen schaue ich mir auch noch genauer die Bauweise an: Kann ich den Akku (einfach) wechseln? Das geht ja mit den neuen Dingern immer schlechter, offenbar, weil genau das nicht gewünscht wird, es würde ja die Lebensdauer verlängern und das will ein Handyhersteller einfach nicht! Die Schafe sollen einfach ein neues Modell kaufen. Und sie tun es auch brav, um sich dann mit dem neuesten Modell scheinbar aufhübschen zu könnnen.
Genau das beobachte ich mehr und mehr. Und ich kratze mir an den Kopf. Das wirkt auf mich wie der Klischee-Autokauf einer Frau: „Ich will das rote Auto haben“ – „Aber das ist Scheiße“ – „Aber es ist rot.“ – „Aber es viel zu teuer“ – „egal, es ist schön rot.“ – Und dann wird das scheißrote Auto halt gekauft. Nur, daß es sich dabei nicht nur um Frauen, sondern um querbeet alle (mit wenigen Ausnahmen) handelt. Als bräuchte man ein blödes Elektronikgerät als Persönlichkeitsprothese, für der Klischee-Mann in der Midlifecrisis einen Porsche benutzt.
Ich kriege das kognitiv nicht verarbeitet und ich glaube, ich versuche es auch nicht (mehr).

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