Jolla – Erste Eindrücke

Nachdem Nokia von Micro$oft aufgekauft wurde, das Nokia N9 (MeeGo/Linux) innerhalb der Garantiezeit kaputtging und dieses dann OHNE RÜCKSPRACHE von M$ gegen ein Lumia 820 getauscht wurde (das ich schnellstmöglich vertickt habe), legte ich meiner Frau also den Nokia-N9-Nachfolger Jolla zu.
Das Gerät ist augenscheinlich nichts besonderes, es ist, meine ich, hardwaremäßig mit einem Samsung Galaxy S2 vergleichbar. Dennoch wollte ich keinen Androiden, da mir Android einfach zu wackelig daherkommt (die Grenze zwischen Administrator und User ist dort meiner Meinung nach ziemlich verschwommen).
Auf dem ersten Blick merkte ich, daß es für das Sailfish-OS noch weniger Apps gibt wie für das Nokia N9. Wichtig war mir das Synchronisieren mit der eigenen OwnCloud auf meinem Heimserver. Es gab schon für das N9 ein Kommandozeilentool namens „Syncevolution“, das auch einigermaßen Tat, doch fing es eines Tages an, Blödsinn zu machen, so wurden Termine einfach mal gelöscht. Ich dachte, es läge am (doch dann recht betagten) Kommandozeilen tool, doch genau dieser Fehler setzte sich beim Jolla fort. Ich stieß auf den Hinweis, daß OwnCloud in Verbindung mit Sqlite3 bei höherem Datenvolumen anfängt, Unfug zu machen, also legte ich die OwnCloud-Datenbank auf einen MySQL-Server, so, wie es OwnCloud auch empfielt. Seitdem geht es wunderbar, SyncEvolution macht alles so, wie es soll.
Man findet fürs Sailfish noch so allerhand nützliche (native) Apps, manches fehlt mir jedoch. Da wir im Januar unser 3. Kind bekommen, wäre eine BabyPhone-App, wie fürs N9 schon gut, immerhin habe ich mir dessen Quellcode heruntergeladen. Angeblich wäre das Portieren aufs Sailfish nicht so schwer, da sich beide Systeme doch ähnlich sind.
Es fehlen auch die (Nokia-)Offline-Karten, aber man kann die Android-App dafür wohl installieren und nutzen. Android-Apps laufen in einer „Sandbox“ (sehr gut! da gehören sie auch hin :D!).
Wie beim N9 muß ich jedoch beim Jolla feststellen: Weniger ist mehr! So gibt es zB für Android gefühlte zig Apps, mit denen man ein XBMC (Rasbmc) fernsteuern kann. Alle Androidenapps, die ich ausprobierte, waren jedoch umständlich, so mußte man bei jeder die IP-Adresse des XBMC-Gerätes per Hand eingeben. Die passende Jolla-App findet es ganz alleine und man kann sofort und intuitiv loslegen. Man findet noch ne App für die Bahn (huch?!), Wikipedia, die Bibel (inkl. Volxbibel :D), Taschenrechner und mehr. Aber viele Apps sind es nicht. Man merkt, daß die Jolla-Entwickler an einer Vielzahl von Apps arbeiten, und dabei eben auch von ettlichen „freien Programmieren“ unterstützt werden, ähnlich, wie es beim N9 auch schon war. Kalender, Emailprogramm, Kontakte, Jabber (inkl. Facebook) funktionieren „out of the box“. Messengermäßig wird wohl emsig an einer Telegram-Implementierung gearbeitet, der Sailfish-Whatsapp-Messenger wurde von Whatsapp gesperrt, so, wie meine Whatsapp-Pidgin-Implementierung geperrt wurde (Whatsapp möchte, daß deren Dienst ausschließlich mit der eigenen und nicht mit eigengestrikter Software genutzt wird), aber Whatsapp paßt auch nicht wirklich zur Jolla-Philosophie ;-).
Die Jolla-Philosophie dagegen gefällt mir: Einfach, aber funktional und vorallem offen, das macht es übersichtlich. Aber: Es ist dennoch in gewisser Weise ein „Bastelphon“, mir gefällt sowas zu administrieren, und das, was fehlt, kann man per Yandex-Appstore (Android) wenigens annähernd komplettieren.

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