Hoffnungen und Erwartungen für Darmstadt

Über 2/3 von den 36% der Wahlberechtigten wählten Jochen Partsch zum Oberbürgermeister (OB) von Darmstadt. Ich habe ihn auch gewählt, und das nicht nur, weil er, wie ich, aus Langendorf kommt, sondern, weil ich hoffe, daß er den zweifellos über Jahrzehnte entstandenen Filz entwirrt und aufräumt. Filz ist etwas, was ich sehr gut aus Langendorf, speziell Bayern kenne. Dort regiert seit Jahrzehnten die CSU, relativ uneingeschränkt, ich habe mitbekommen, wie sich ein CSU-Bürgermeister für seinen Parteispezi „einsetzt“, indem er als „Autoritätsperson“ Leute versuchsweise einschüchtert, um gewisse Ziele für den Parteispezi zu erreichen. In meinem Fall schlug der Versuch kläglich fehl, doch ich fand die Art und Weise schon heftig.

Gut, Darmstadt ist nicht Langendorf, aber ich glaube, daß überall dort, wo eine Partei über lange Zeit regiert, gewisse Seilschaften unweigerlich entstehen und verteidigt werden. Auch wenn die Grünen die letzten Jahre mit der SPD (die für den Filz in Darmstadt steht) regierten, so gibt es jetzt die Chance auf einen Neuanfang. Deswegen erscheint es mir auch logisch, daß die Grünen mit der CDU und nicht mit der SPD koalieren will. Daß sich Jochen Partsch als OB dabei in Scheißhaus setzt, ist ihm, denke ich klar, Probleme gibts massenhaft, die gelöst werden müssen.

Etwas verwundert war ich am Wahlabend über die Aussage eines Grünen, daß die Piraten den SPD-Mann Hofmann favorisierten. Daß es dabei nicht um eine Partei-, sondern eine persönliche Empfehlung von Andre de Stefano handelte,wurde dabei offenbar übersehn, seisdrum. Andre de Stefano hatte eben seine Gründe, die Jochen Partsch an der Stelle einfach schlecht aussehen lassen. Kritikfähig sollte ein OB allemal sein, und ich denke, die Piraten sind dafür sehr sensibel.

Ich kenne die Beweggründe von Jochen Partschs Reaktion gegenüber Andre de Stefano nicht, und ich will darüber auch nicht spekulieren, ich hoffe aber, daß er (auch) den Piraten zuhört, wenn sie etwas vorbringen, schließlich hörte sich vieles, was er in Interviews gesagt hatte so an, als käme es von einem Piraten. Ihm geht es ja auch um mehr direkte Demokratie, daß bei Projekten die Bürger  mehr in die Entscheidung eingebunden werden. Inwieweit das umgesetzt wird, muß sich zeigen, die Piraten werden das ganz genau beobachten, was ich an seiner Stelle nicht als Bedrohung, sondern als wertvolle Kritik und Ergänzung ansehen würde.

Man kann das wahrscheinlich nicht vergleichen, aber als ich noch in der Leitung der Jesus Freaks Darmstadt war, waren es oft die Unbequemen, die wertvolle Kritik vorbrachten. Das kostet oft eine Portion Stolz, um das dann auch an einen heranzulassen, schließlich entlarvt es nicht selten auch eigene Fehler, die man nunmal trotz aller Anstrengung macht.

Resümee: Jochen Partsch hat sich in ein verfilztes Scheißhaus gesetzt. Deswegen rufe ich ihm zu:

Namm die Miesdgoowl nei die Händ und rämm auf!“ 😉

Ich selbst werde nicht lange Jochen Partsch als OB haben, da wir Ende des Jahres nach Ober-Ramstadt umziehen (wollen). Ich nehme aber 1. Timotheus 2, 1-6 wieder ernster ;-).

2 Gedanken zu „Hoffnungen und Erwartungen für Darmstadt“

  1. Jochen und die Grünen sind aber in den lezten Jahren auch schon an der Macht gewesen und somit mit Sicherheit auch Teil des Filzes. Was sollte sie bewegen, dies jetzt – außer ein paar medienwirksamen Bauernopfern vielleicht – aufzugeben?

    1. Jo: Richtig, die Frage dabei ist halt, ob er es gut fand, oder als als „kleineres Übel“ in Kauf nahm. Das wird sich ja nun weisen, immerhin koaliert er absichtlich nicht mit der SPD, sondern mit der CDU, die ihm da auch (hoffentlich!) auf die Finger klopfen (würden).

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