Zäsur – Nachdenkliches

Seit ca. 2 Jahren ist es recht ruhig in meinem Leben geworden. Vorher gab es viele Menschen, mit denen ich mehr oder weniger zu tun hatte. Die allermeisten waren (sehr) jung. Ich habe mich gerne in sie „investiert“, wobei ich da auch viel zurückbekommen habe. Es sind in der Zeit auch einige zum Glauben gekommen, ließen sich sogar taufen.

Als sich meine Tochter ankündigte, schrumpfte der Kontakt zu den Leuten. Viele zogen weiter weg, zum Arbeiten oder Studieren.

Die letzten Wochen / Monate bekam ich direkt oder indirekt mit, daß viele dieser Menschen mit Jesus, mit Glauben nichts mehr am Hut haben. Mich macht das traurig und gleichzeitig stelle ich mir die Frage, ob es falsch war, sie, ja, zu „prägen“, bzw. mich mit ihnen zu befassen (so gerne ich das auch gemacht habe).

Für mich stellt sich unweigerlich die Frage, wie ich meinen Glauben in Zukunft gestalten soll. Ich kann nichts weiter tun als genau diese Frage vor Jesus hinzulegen (und auch dort liegenzulassen).

7 Gedanken zu „Zäsur – Nachdenkliches“

  1. Mein Gott, die Leute haben halt gemerkt, dass das echte Leben mit deinen Jesus-Theorien nicht übereins zu kriegen ist. Du hast, verkürzt gesagt, den Menschen zu viel versprochen. Gott greift nicht in das Leben ein, er lässt vielmehr die Sonne aufgehen über Gut und Böse. Du selbst magst ja gut und gerne eine persönliche Beziehung zu Gott haben, dergestalt, dass du das Wirken Gottes selbst in den Kleinigkeiten des Alltags spürst bzw. zu spüren meinst. Du kannst aber anderen nicht übelnehmen, dass sie das auf langfristige Sicht nicht nachvollziehen können.

  2. highlund: Oder sie haben sich Jesus anders vorgestellt und nein, ich habe ihnen nichts versprochen. Viele, die heute nichts mehr mit Glauben am Hut haben, hatten ihre eigenen (ich behaupte zT sogar einscheidenden) Erfahrungen mit Gott gemacht, diese aber anscheinend wieder vergessen, oder so. Ich meine nicht, ihnen überhaupt etwas versprochen zu haben, ich habe vielleicht hie und da mal gesagt „bete doch mal darüber, probiers selbst aus“. Manchmal habe ich auch für die Menschen gebetet und es passierte etwas.
    Diese Welt ist greller, bunter, ja, aggressiver geworden, vorallem, wenn es um unsere Aufmerksamkeit geht.
    Jesus war und ist über weite Strecken das Gegenteil.
    Auch ich habe mich in den letzten 13 Jahren (stark) verändert, behaupte ich mal. Ich bin nicht mehr der frischbekehrte Christ, der meint, allen Leuten die Welt erklären zu müssen. Ich sage dennoch meine Meinung, wenn ich gefragt werde.

  3. > Viele, die heute nichts mehr mit Glauben am Hut haben, hatten ihre eigenen
    > (ich behaupte zT sogar einscheidenden) Erfahrungen mit Gott gemacht,
    > diese aber anscheinend wieder vergessen, oder so.

    Naja, aber so dolle können diese Erfahrungen dann aber nicht gewesen sein, schon gar nicht einschneidend, wenn sie dem Vergessen anheim fallen. Einschneidende Erfahrungen vergisst man eigentlich nie. Sie mögen mit der Zeit verblassen, aber sie wirken normalerweise fort.
    Nene, ich denke mal, dass deine Gotteserfahrungen einfach zu banal sind, um tragfähig sein zu können. Gebete können etwas auf persönlicher Ebene verändern, sicher, aber sie sorgen nicht dafür, dass im Supermarkt eine neue Kasse aufgemacht wird, wenn du dich gerade anstellst. Mich erinnert das ein wenig an das Zwei-Welten-Modell aus der Romantik: Auf der einen Seite die öde Hier&Jetzt-Welt, wo nicht alles so läuft, wie man sich das wünscht; und auf der anderen Seite die Kunstwelt, wo man Erlösung findet. Doch wirkt die Kunstwelt nicht im Geringsten auf die Realwelt zurück – Musik, und sei sie auch noch so schön, verändert die Welt genauso wenig wie ein Gebet. Hingegen wirkt sie auf die Rezipienten und somit *indirekt* auf die Realwelt wieder zurück, vielleicht dadurch, dass sie den Hörer seelisch gestärkt zurücklässt. Da werden weiter Naturkatastrophen hereinbrechen und Menschen sich gegenseitig Schlimmes antun, aber die persönliche Haltung den Dingen gegenüber ändert sich; man kommt mit der Welt besser klar. So wird ein Schuh draus. Nur so.

    > Diese Welt ist greller, bunter, ja, aggressiver geworden,
    > vorallem, wenn es um unsere Aufmerksamkeit geht.
    > Jesus war und ist über weite Strecken das Gegenteil.

    Das stimmt.

  4. Erstmal gehts mir ja auch so, daß ich manches schlichtweg erfolgreich verdränge. Komischerweise sind das überwiegend positive Erlebnisse. Es sind oft Dinge, wie man sich einfach mal wieder neu bewußtmachen muß.
    Du siehst das aus deiner atheistischen Perspektive, die ich nachvollziehen kann. Ich habe erlebt, wie Gebete Dinge veränderten. Ich bin davon überzeugt, daß ich ohne Jesus heute nicht beziehungsfähig wäre, wahrscheinlich wäre ich sogar tot.

  5. > Du siehst das aus deiner atheistischen Perspektive, die ich nachvollziehen kann.
    > Ich habe erlebt, wie Gebete Dinge veränderten. Ich bin davon überzeugt,
    > daß ich ohne Jesus heute nicht beziehungsfähig wäre, wahrscheinlich wäre ich sogar tot.

    Ja, aber genau das sag‘ ich doch. Dir persönlich hat dein Glaube geholfen. Er hat dir Halt gegeben, dich aufgerichtet und stark gemacht. Das ist deine persönliche Sache, und sie ist nicht übertragbar auf jeden. Vor allen Dingen ist die für dich heilende Wirkung völlig unabhängig davon, ob sich dein Glaube als Wahrheit erweist oder nicht; das, was *subjektiv* sinnstiftend und „wahr“ erscheint, hat *objektiv* keinerlei Bedeutung. Denn persönliche Gefühle lassen sich nicht verallgemeinern, auch religiöse Gefühle nicht. Und solange du nicht Jesus leibhaftig präsentieren kannst, bleibt es ein Gefühl, ein Glaube, also etwas Persönliches. Aus diesem Grund sind dir so viele Bekehrte von der Fahne gegangen. Was du ihnen versprochen, oder sagen wir, in Aussicht gestellt hast, wurde für sie nicht evident.

  6. highlund: Ich dachte, Jesus hätte sich ihnen selbst präsentiert. Jedenfalls erzählten sie davon. Und ja, das ist fast immer subjektiv. Ich hab neulich ein Zeugnis von einem Typen angehört, das schlichtweg unglaublich klingt. Er erzählt darin auch von medizinischen Belegen. Vielleicht sollte man die mal besorgen 😉

  7. „…. Diese Welt ist greller, bunter, ja, aggressiver geworden…“

    Den Leuten fält auch nix mehr ein! Es gibt eben nicht soviel Neues unter der Sonne!

    Fehlt der Weltuntergang? Kein Problem wir „inszinieren“ Einen! Hurra!

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