Menschen im Elfenbeinturm

Zuerst möchte ich sagen, daß ich diesen Eintrag nicht für jemanden speziell schreibe. Ich will niemanden persönlich angreifen bzw. ansprechen. Ich beobachte einiges und wollte meine Eindrücke einfach mal posten.

Elfenbeinturm

Ich meine zu beobachten, daß Menschen im Elfenbeinturm einsam sind. Einsam, aber sie fühlen sich irgendwo auch „edel“. Edel in dem Sinne, daß sie sich von anderen Menschen absondern, in manchen Fällen sogar abheben. Manche versuchen ihr Leben zu ändern, suchen einen Weg aus dieser Einsamkeit. Aber dazu müßte man die edlen Wände des Turmes verlassen, in denen man sich so heimisch fühlt. Man müßte sich auf einer Ebene mit Menschen einlassen und damit aufhören, nach ständig neuen mehr oder weniger hahnebüchenen Argumenten zu suchen, um den Turm nicht verlassen zu müssen.

Der Elfenbeinturm erscheint mir dabei meistens eine Art Manifestation der eigenen Opferrolle. „Mir bleibt ja nix anderes übrig, ich muß das machen, weil ich ja sonst doch nur wieder verletzt werde“. Oder „ich bin so mißtrauisch geworden, daß ich mich nicht darauf einlassen kann“. Ich kann das gut, sehr sehr gut verstehen und nachvollziehen (also bitte nicht als Vorwurf verstehen!). Aber es nützt auf Dauer eben auch nix, es sei denn, man will bewußt die Einsamkeit (und damit keine Freunde oder Beziehung).

Früher bin ich Elfenbeinern sehr offen begegnet. Und bin dabei fast immer blindlinks auf die Nase gefallen. Manchmal würde ich am liebsten mit einem Waldmoped bzw. einer Axt den Elfenbeintum umnieten, einerseits, um mit den Menschen besser in Kontakt treten zu können, andererseits, weil ich glaube, daß man ohne Elfenbeinturm freier lebt. Ob das ein Irrglaube ist, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht fühle ich mich von den Edeltürmen auch einfach nur verletzt und nicht von den Menschen die darin wohnen, was ja an sich schon irgendwo hahnebüchen ist.

Ich bin ein Mensch, der lebt und damit liebt. Ein Mensch, der sich damit verletzlich macht. Ich will damit nichts bezwecken, es ist eben so, wie es ist. Daß ich hie und da vielleicht mit dem Turm kollidiere und damit kleine oder große Erschütterungen auslöse, kann ich dabei nicht vermeiden. Früher wollte ich das absichtlich bezwecken. Heute nicht mehr. Noch vor ein paar Jahren hätte ich mir gewünscht, daß die Menschen mir zuliebe den Turm (wenigstens für ne Zeit) verlassen. Heute will ich, daß sie den nur verlassen, wenn sie es um ihrer selbst willen tun.

Die Konsequenz ist allerdings heute auch, daß ich den Menschen, die partout nicht rauswollen und damit sozusagen auch „meine Liebe“ in den Wind schießen, zunehmend aus dem Weg gehe.

Die Frage ist: Gehört der Elfenbein zu den Menschen dazu oder ist er von ihnen adaptiert worden wie ein Einsiedlerkrebs seine Muschel adaptiert?

Einsiedlerkrebs

Damit stellt sich die Frage: Habe ich mich demnach so in den Menschen geirrt? Und damit: Habe ich sie eigtl. garnicht lieb, wie sie sind, sondern nur ohne Turm?

Rätsel über Rätsel..

sofX

5 Gedanken zu „Menschen im Elfenbeinturm“

  1. Hallo Uli,

    ich hab dir ja schon einiges im ICQ gesgt aber hier meine Meinung.

    Ich bin voll froh das du mir deine liebe zeigst, und öfters sagst. Weist du, seit ich dich kenne, habe ich mich total verändert. ich bin selbstbewusster, offener,.. für andere geworden. Weist du, meine Eltern haben mir nie gezeigt, was es heist geliebt zu werden. was es heist gemocht zu werden.
    ich habe bei dir zum ersten mal erfahren was es heist geliebt zu sein. was es heist: hey du bist mir nicht egal. Ich habe zum ersten mal „live“ von jemanden gehört: „ich hab dich gern, schön das es dich gibt,…“ vorher war ich den leuten egal oder es war mir nicht bewusst.
    ich habe es nicht wahr genommen. Klar denkst du das sich die Leute in einem Turm verschanzen und nicht raus wollen. Aber ich denke in so einem fall, sollte man sie fallen lassen.

    Ich weis selbst, wie schwer es ist. Und man hat irgendwann nicht mehr die Kraft, die türme einzureisen. Weil es einfach zu viele ist. Und viele bauen sich dann von selbst zu. Es ist sehr anstrengend und ich weis ehrlich gesagt nicht ob es was bringt.

    Man kann den Leuten nur die Hilfe anbieten ihnen aus dem Turm zu helfen, aber kämpfen sollten nicht wir sondern sie. In erster Linie müssen sie selbst aus dem Turm wollen und nicht wir. Wir können ihnen nur zeigen wie frei, und schön das leben außerhalb des Turms ist. Wir können ihn einen teil davon weitergeben. Aber wir können nicht für sie kämpfen, das ist ihre Entscheidung. Wir können dies nicht für sie abnehmen. Sorry wenn das jetzt hart klingt, aber es ist ihre Entscheidung da drin zu sitzen. Solange sie selbst nichts an sich ändern wollen, können wir ihnen nicht helfen. Das geht erst dann, wenn sie bereit sind dafür zu kämpfen. Für ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit und für die liebe.

    Das man dabei menschen auf dem weg zurück lassen muss, ist leider das Traurige an der Sache. Ich weis, das die Menschen einem viel bedeuten, aber man kann einfach nicht mit ansehen, wie die Menschen in ihren Türmen verhungern und sich somit selbst zerstören.

    ich stelle mir auch schon seit längerem die Frage.
    Ich alles was ich tue umsonst?
    Reden leute nur mit mir wenns ihnen schlecht geht?
    die entscheidende frage aber ist doch: wollen die Menschen sich überhaupt helfen lassen? oder nutzen sie meine liebe nur aus?

    Sofx

  2. @HoSnoopy:

    Vielen Dank! Ich übrigens erst recht nicht!

    Auch ganz einfach!

    (Mir ist das Hinterfragen ganz wichtig!
    Das ist manchmal ein hartes Geschäft! Doch dann hab ich wenigstens so eine (leise) Ahnung warum?!)

    Mir geht es dabei um Erkenntnis und Einsicht!

    Nicht um Macht und Gehorsam, nur weil mal was in der Bibel
    (so oder so) geschrieben steht!

    Nur schade, daß die „gelebte Realität“ oft so anders aussieht…!

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