Hausbauen – ein Abenteuer – eine Bilanz

Als wir uns Gedanken zum Hausbau machten, war für uns schnell klar, daß wir das nicht in Eigenregie leisten können. Wir haben weder Ahnung noch Zeit dafür, also suchten wir von Anfang an einen Bauträger. Von vielen wurden wir davor gewarnt. „Bauträger=böse“, so die einhellige Meinung. Über den Bauherrenschutzbund wurden wir dann tatsächlich auch vor katastrophalen Bauträgern gewarnt. Das mit Abstand beste Angebot bekamen wir dann auch von einem Bauträger, der ein Insolvenzverfahren am Hals hat(te?), dessen Lebensgefährtin Geschäftsführerin ist, was wohl eine ziemlich windige (für uns eher stürmische) Sache geworden wäre. Mit Kinzighaus bekamen wir dann auch einen guten Bauträger. Fürs gleiche Geld bekamen wir zwar weniger, und wir mußten auch (viel) mehr eigenleisten, aber nicht umsonst gibt es Kinzighaus seit 32 Jahren. Abgesehen von dem windigen Angebot war dann unterm Strich auch Kinzighaus am günstigsten. Wir planten von Anfang an mit Kinzighaus und übernahmen einige gute Ideen von dort. Das sparte uns wahrscheinlich auch Streß. Allen Unkenrufen zum Trotz war es eine hervorragende Entscheidung, mit Kinzighaus, einem Bauträger, zu bauen. Sicher lief nicht alles 100%ig optimal, eine Hausseite ist 2cm zu kurz, hie und da wurden statt 11er eben 17er Innenwände eigesetzt, was unsere Fläche um vielleicht 1% (oderso) verkleinerte. Das mag zwar für mansche ärgerlich sein, für mich ist es jedoch im Rahmen der üblichen Toleranzen. Auf so manche blöden Sprüche vom Bauträger („Die Wand stimmt, ihr Metermaß ist nur nicht geeicht“) hätte ich jedoch verzichten können, zumal er mir dann doch glaubte, als ich verlangte, daß er mit einem geeichten Metermaß auf der Baustelle erscheinen soll :D.
Was uns an ganz anderer Stelle nervte und wirklich nervt, ist die sog. „Familienförderung“ vom Land Hessen. Es ist überaus bürokratisch, aufwendig, zeitraubend und am Ende kostete es auch Nerven. Anfangs lief alles nämlich über das Landratsamt (LRA). Der Sachbearbeiter dort gab uns den Rat, einen Kredit, nämlich fest angelegtes, vorfinanziertes Eigenkapital, nicht mitanzugeben. Die WI-Bank, der Bauförderungskreditnehmer, bemerkte das aber und es gab erstmal Trouble. Die Chefin des Sachbearbeiters im LRA hat mich dann auch deswegen zusammengeschissen. Als ich erwiderte, daß es ihr Bearbeiter war, der mir den Tip gab, schenkte sie mir keinen Glauben. Nach langem hundundher bekamen wir die Förderzusage Anfang März, mit dem Hinweis, daß noch dies und das für die erste Auszahlung fehlt. Als ich das alles nachreichte, langte es immernoch nicht. Ich mußte erst bei der CDU anrufen und auf den Mißstand hinweisen, sodaß der Cef der WI-Bank persönlich unsere Akte unterschrieb. Bis jetzt behält die WI-Bank noch 20% (18000€) zurück, weil ja unsere Außenanlagen (die wir mit 12000€, davon 6000€ Eiigenleistung beziffert haben!) noch nicht fertig sind. Die Spakasse finanziert uns zwischen (erstmal zu 6,75%). Wer also auf Streß am Bau verzichten will, sollte auf den Kredit der WI-Bank verzichten. Es Familiengängelung, keine -Förderung. Hätte ich noch Zeit und Nerven, würde ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Cheffin im LRA einreichen. Nicht, weil ich ihr böse wäre, sondern, weil es nicht sein kann, daß da Menschen an Schalthebeln sitzen, die einfach nur Scheiße bauen, arrogant sind und genau das nicht bemerken und damit anderen Leuten schaden.
An Streß kam danach lange nichts. Halt, doch: Die HSE! Man müßte bei diesem Monopolisten mal aufräumen. Immerhin bekam ich ein paar Wochen nach meinem Post eine Email von einem HSE-Konfus…äh, Koordinator, daß ich seinen Namen doch anonymisieren möge O:-).
Danach kam länger nichts. Dann die Leute, die unsre Innenwände verputzt haben. „Verputzer sind halt Schweine“, sagten viele. Naja, ich mußte einen tag Urlaub extra nehmen, um die Schäden, die sie an meinen Leerrohren anrichteten, wieder auszubessern. Als ich den Trupp beim Außenputz näher kennenlernte, merkte ich: „Die sind halt so, die können nicht anders.“
Nervig waren auch die Leute, die die Sanitärinstallationen machten. Manchmal muffig, ignorierend, daß gerade frisch Parkett verlegt wurde, schlurften sie mit ihren Dreckschuhen drüber (sie hätten auch einen anderen Weg nehmen können). Mehrmals fehlten Sachen und sie gingen nicht selten ohne ein „tschüß“ unverrichteter Dinge wieder. Im Dusch-WC hielt unsrere Kloschüssel nicht, was sicher zum Teil am Spülkasten lag, den sie installiet hatten. Mein Onkel fixierte es nun gestern so, daß es hält. Etwas gefrickelt, aber bekanntlich hält nichts länger als ein Provisorium. Hoffentlich :D.
Anstrengend war auch die viele Eigenleistung am Ende, die wir gemacht haben. Mit Kindern (plural!) ist das mehr als eine Herkulesaufgabe, auch wenn ein Kind (singular) von 9Uhr-15:30Uhr im Kindergarten ist. Dagegen war die Elektrik direkt entspannt, obwohl ich alleine sicher einen Monat daran verbracht habe.
Die restlichen Gewerke liefen gut bis sehr gut, das kann man nicht anders sagen. Der in Eigenregie bestellte Fliesenleger aus Polen war auch sehr nett und hatte einen witzigen, trockenenen Humor.
Jetzt wohnen wir drin, das Chaos ist noch riesig und wird es noch einige Zeit bleiben. Aber es lichtet sich. Ich vermisse einiges an Werkzeug, das sicher irgendwo im Haus verstreut rumliegt. Seit gestern hängen die Hängeschränke unserer alten Küche als Stauraum im Keller. Nur eine Schublade fehlt völlig. Außerdem vermisse ich noch den Fahrzeugschein vom Auto sowie meine GSI-Karte.
Heute bin ich erstmals mit Bus&Bahn zur GSI gefahren. Von Haustür zur Pforte dauerte das eine Stunde. Ich lief zum Bahnhof, da mein Fahrrad noch in Darmstadt im Keller weilt. Heute Abend muß ich unseren Sperrmüll in DA auf die Straße stellen.

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