Vaterlose Gesellschaft

Am Sonntag habe ich mit Josha über Teenies geredet und er sagte das, was ich schon lange irgendwo denke. Wir haben eine „vaterlose Gesellschaft“. Ich habe viel mit Teenies zu tun und es ist eine Ausnahme, wenn sie eine („gesunde“) Beziehung zu ihrem Vater haben. Die meisten haben mit ihm nichts zu tun und wenn, dann ist diese Beziehung eher krank. Warum sind Männer oft so teilnahmslos, wenn es um ihre Kinder geht? Ich hoffe, ich mache nicht dieselben Fehler und ehrlichgesagt habe ich Angst davor.
Was mich besonders berührt ist die Dankbarkeit, die mir entgegengebracht wird, wenn ich mich nur ein klein wenig mit ihnen beschäftige, mal frage, was in deren Köpfen vor sich geht. Das ist garnichtmal so viel und doch anscheinend sauviel aus der Sicht derer, mit denen ich mich beschäftige. „Wenn Väter wüßten, was sie da verpassen“, denke ich mir dabei oft. Ich schaue einfach gerne zu, wenn sie von alleine gehen, wenn sie mal vorsichtig „angeschubbst“ werden und ein klein wenig unterstützt werden. Einfach mal „zuhören“ ist dabei anscheinend schon sehr viel wert.
Das Dilemma ist, daß es viele solcher Teenies gibt und es ist mir klar und das befreit mich auch, daß ich nix dagegen tun kann. Ich will damit sagen, daß ich mich zur Verfügung stellen kann und daß ich mit Gott und meiner Frau/Ehe abwägen muß, wieviel ich geben kann (darf). Mir ist klar, daß ich ohne meine Frau das nicht könnte, ich bin durch sie „geerdet“ und ohne Gottes Kraft wäre ich sowieso schon längst ausgebrannt.
Ich hab mir ja schon vor ein paar Monaten über die „Generation Knuff“ Gedanken gemacht, wahrscheinlich liegt das Geknuffe auch daran, daß Teenies heute wenig „väterliche Nähe“ gespürt haben?
Leider wird dieser Mangel an dieser Nähe oft ausgenutzt – nicht selten auf perverse Art und Weise, wodurch noch tiefere Verletzungen entstehen.
Wie auch immer, ich bin für ein paar Mädchen sowas wie ein „Ersatzpapa“ geworden. Klar kann ich keinen echten Vater damit ersetzen, dennoch will ich – soweit es meine Zeit zuläßt – da sein. Das muß freilich vorher abgeklärt sein, sonst enttäusche ich auch.
sofx

10 Gedanken zu „Vaterlose Gesellschaft“

  1. also erstens die frage: hast du selbst kinder? kannst du es echt aus der sicht eines vaters beurteilen? meist sieht die realit�t doch ein wenig anders aus als viele der guten w�nsche. zweitens denke ich, es ist IMMER etwas anderes, wenn jemand von aussen „papa“ oder „seelsorger“ oder wie auch immer du das nennen willst, spielt. so �hnlich wie die rolle der gro�eltern/onkel/tante: mit rat und tat und gutem willen (liebe!) dabei sein, aber die letztendliche verantwortung tragen die leiblichen eltern.
    was nat�rlich nicht sagen will, das deine beobachtungen falsch sind: die beziehung zu den eigenen eltern (ich nehme den vater nicht einzeln, gibt es doch auch genug positive beispiele f�r die v�ter und negative f�r m�tter) l�sst heutzutage sowieso und gerade in der teenie-phase oft zu w�nschen �brig und selbst solche eltern, die es wirklich gut meinen, sind da oft �berfordert. auch diesen punkt sollte man bei solch einer diskussion nicht vergessen. ich hoffe, es kommt so r�ber, wie ich es gemeint habe und du bist nicht ver�rgert �ber meinen kommentar…

  2. Ich habe von den Teenies geredet, die tats�chlich keinen Vater haben, weil sie zB durch Scheidung/Trennung aus deren Leben verschwunden sind.
    Mir ist bewu�t, da� das IMMER was anderes ist und da� ich freilich auch da differenzieren mu�. Ich bin ja auch nicht f�r sie als Elternteil verantwortlich. Das ist mir schon klar :).
    Da� Eltern, insbesondere alleinerziehende M�tter �berfordert sind, wei� ich auch. Ich bin ja auch mit ihnen im Kontakt und rede auch mit ihnen. Es w�re auch schlimm, wenn das nicht so w�re, denn das w�rde Desinteresse seitens der M�tter zeigen.
    Und nein, ich habe (noch) keine eigenen Kinder, aber kommt noch! 🙂
    Und nein, ich bin nicht ver�rgert �ber deinen Kommentar. 🙂
    spfx

  3. Hey Uli „Papa“

    Ich bin so eins von „deinen Kindern“ *gg*
    Ich bin sehr dankbar f�r die Aufmerksamkeit die ich von dir bekomm.
    Mir selbst ich aufgefallen das ich mit �lteren M�nnern
    (anfang mitte 30) meist sehr gut zurecht komm. ein Paar Kumpels von mir sind in dem Alter
    oder sie kommen einfach �lter r�ber.

    Mein freund z.B.
    Marco ist 6,5 Jahre �lter wie ich.
    Vielleicht ist er zum Teil eine ersatzrolle Papa…wobei M�nnliche Bezugsperson besser passt, und die fehlt mir ja, weil mein Papa futsch ist (Meine Eltern leben noch zusammen, und im augenblick leb ich noch daheim. ich plan aber auszuziehen weil einfach alles zu stressig ist)

    Ich bin Dankbar das ich dich kenn Uli und das du mir Jesus gezeigt hast 🙂

    knuff, Rose

  4. hm… mir f�llt dazu das Lied „Cats in the cradle“ von Cat Stevens ein.

    Ich habe auch keine gute Beziehung zu meinem Vater. Vieles fehlt mir einfach, wo ich auch selbst zurecht kommen muss, wo mir das auch deutlichst gemacht wurde. Ob das funktoiniert, ist ne andere Sache. Ursachen f�r das „Vater“-Problem sind meiner Meinung nach, ganz unterschiedlich. Wenn ich jetzt Papi w�re, w�sste ich, denke ich, jetzt nicht, wie ich damit genau umgehen sollte. Auf einmal ist viel mehr Verantwortung zu tragen, als man das eh schon muss (sollte zumindest finde ich). Es w�rde auf jeden Fall meine komplette Entwicklung, in der ich noch steck, entscheidend ver�ndern. Wenn jetzt noch eine Trennung hinzuk�me oder so, w�re es dann meiner Meinung nach ne halbe Katastrophe, weil die Verantwortung nun meistens auf der Frau liegt und ich meiner Vernatwortung nicht mehr richtig nachkommen k�nnte, weil ich nicht mal ne reelle chance h�tte. So stell ich mir eine solche Situation zumindest vor. Schwierig sowas zu betrachten, wenn man nicht drin steckt (wo ich allerdings nicht ganz ungl�cklich bin…)

    Wenn ich jetzt nochmal die Beziehung zu meinem Vater betrachte ist das so, das ich immer das Gef�hl habe, wenn ich mit ihm zu tun habe, seine Erwartungen an mich nicht erf�llen zu k�nnen. Ich kann ihm kaum vertrauen und muss mich dazu �u�erst anstrengen. Woran das liegt, da gibt es unterschiedliche Ursachen. �berforderung oder so k�nnte eine sein. Arbeit ist eine andere. Aber auch die Beziehung zwischen meinen Eltern spiegelt sich dort wieder. Das sind alles so sachen. Mein Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin hat auch damit zu tun, auch wenn es vielleicht im ersten Augenblick nicht so aussieht. Vater sein ist eine verdammt schwere Aufgabe und nicht zu untersch�tzen. Viele resignieren davor oder ziehen sich zur�ck, denk ich. Vielleicht, weil sie sich keine Gedankne dar�ber gemacht haben oder dann „pl�tzlich“ in der Situation standen. Naja. ich denke es ist trotzdem ne tolle Aufgabe, die man denke ich aber nicht alleine schaffen kann. Trotzdem Mut, wer immer in der Situation steckt.

  5. hoi

    also was du gesagt hast maze, muss ich dir teilweise echt recht geben. Es ist nicht einfach Vater zu sein.

    Bei meinem Vater hab ich oft den eindruck das ihm seine Firma wichtiger ist (er hat mir selbst auch schon gesagt das sie es teilweise ist). Wenn er nach Hause kommt will er was zu Essen und n Fernseher weil ER geht ja n gaaanzen tag arbeiten und tut dann so als w�rde ich (noch Sch�lerin) n ganzen Tag zeit haben n Haushalt zu machen. Pustekuchen. Is mit mir nicht. Da stell ich mich quer. Meine Mama arbeitet auch bei meinem Dad und sie hat ned viel Geld f�r mich und mei Schwester. Sie bittet mich meistens ganz lieb, was im Haushalt zu helfen. Dann mach ich das gern.

    nochmal zu meinem Dad. Er arbeit ca. 12 – 15 Std am Tag. Meist noch mehr. Er ist gestresst und er h�ngt sich voll in seine Firma rein. Dann kommt er heim und ist nur noch gestresst und ko. Kann ich verstehn. Gibt ihm aber meiner Meinung nach, nicht das recht uns rum zu komandieren, selbst nichts zu machen und uns zu schlagen und zu beschimpfen. (mit uns mein ich mei sis und mich). Ich hab im Laufe der Jahre erfahren das meine Mum NIE kinder wollte, und dann war sie schwanger. Fr�her war sie auch immer voll sauer auf uns, weil sie keine Kinder wollte sondern arbeiten aber das nicht ging weil ich 4 war und meine sis 1. Sowas ist heftig das von den eigenen Eltern zu h�ren und tut weh…

    naja..ich glaub ich verzettel mich hier grad -.-

    cya, Rose

  6. jo. das kann ich nachvollziehen. Ich habe, besonders von meinem Dad, h�ufiger mitbekommen, bzw. er hat’s mir ins Gesicht gesagt, das er mich einfach nicht mag. Das war sicher Situationsabh�ngig. Und ich hab mein Vater schon oft auf die Palme gebracht. Ein „Unfall“ war ich sicher nciht, glaub ich zumindest nicht, aber manchmal hatte ich echt das Gef�hl.Es ist ein sau dummes Gef�hl. Man f�hlt sich so Wertlos, ich zumindest h�ufig. Wenn dann noch das Umfeld entsprechend ist…na halleluja.

    Rose, kann dich echt verstehn.

    Ich habe, als ich Jesus richtig kennen lernte, also nicht das, was meine Eltern so erz�hlten und so (danach h�tt ich wirklich die Schnauze so gestrichen voll gehabt, das alles zu sp�t w�r), gelernt, das ich echt wertvoll bin in Gottes Augen. Und das er mich wirklich so liebt, wie ich bin. Nicht wie er mich haben will, oder er liebt mich, wenn ich das und das tue, diese Voraussetzungen erf�lle, und den Erwartungen entspreche, sondern wirklich so wie ich bin. Mein Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein ist weiter weiter ausbauf�hig, aber ich denke ich bin auf einem guten Weg. Ich hoff, das seh nicht nur ich so. Auf jeden Fall ein Anfang.

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