Almosen

Die letzten Tage versuchte ich das in Worte zu fassen, was mir in letzter Zeit öfter auffällt: Menschen, die sich mit „Almosen des Lebens“ zufriedengeben, anstatt ihr Leben selbst irgendwie „einzufordern“.  Ich finde es erschreckend, zu sehen, wie Leute versuchen, gute Mine zum bösen Spiel machen, aber letztendlich man doch das Elend aus dem Knopfloch winken sieht. „Gute Mine zum bösen Spiel“ könnte dabei heißen, daß man „seinen Spaß“ nur noch hat, wenn man „auf Party“ ist (und sich mit Alk oder anderen Drogen für ein paar Stunden betäubt).

Klar, das kann man so machen, aber es ist in meinen Augen ein Überleben, kein Leben mehr. Man gibt sich da mit Almosen zufrieden. Genauso, wie ich oft erlebe, daß sich Menschen an Menschen hängen, nur, weil es ihnen etwas besser geht, oder vielleicht, weil sie wirklich ein Vorbild für andere sind. Vorbild.. das ist eine Vorlage, die man sich zu eigen machen kann und die man sozusagen selbst leben kann. Vorbilder sind nicht dazu gedacht, daß man sich dranhängt, dazu sind sie zu labil, außerdem führt das in meinen Augen zu einem gewissen Menschenkult, den ich schon zu meinen katholischen Zeiten extrem abstoßend empfand.

Selbst leben… das scheint schwieriger zu sein, als ich denke. Klingt komisch, wenn ich das so schreibe. Aber mein Leben, gerade mein Glaubensleben, war relativ „einfach“ bisher. Nicht, daß ich keinen Streß hatte oder daß mir nie Scheiße um die Ohren geflogen ist. Aber die meisten Dinge, die mir (und denen, die ich lieben gelernt habe) passiert sind, stärkten meinen Glauben.

Dennoch hörte ich irgendwann auf, mich mit geistlichen Almosen zufriedenzugeben. Genauso wie dieser Bartimäus, der blinde Bettler, von dem im Markusevangelium 10 erzählt wird. Der bettelte da vor sich hin und hatte keinen Bock mehr drauf, sicher waren noch einige andere Bettler am Straßenrand, die dort ihr Geld machten, die sich mit Almosen zufrieden gaben. Bartimäus aber nicht. Er sagte sich wahrscheinlich „so, ich hab die Schnauze voll, ich will sehen können, ich will mit dem betteln endlich aufhören“. Und er wurde geheilt und folgte Jesus nach, er wurde zu einem seiner Jünger, wahrscheinlich dem berühmtesten Haufen der Welt.

2 Gedanken zu „Almosen“

  1. Also ich finde Vorbilder schon wichtig. Ein Vorbild sind für mich diejenigen, die mich prägen. Also ich kann jetzt nur von mir reden. Ich will mich nicht an die Vorbilder hängen. Klar sehe ich, was an dem vorbild gut und schlecht ist. Ich versuche nur das Positive mitzunehmen und mein leben zu leben. Vorbilder sind für mich in der hinsicht gut, das ich weis, in welche Richtung ich gehen will. Wen ich mir ein Vorbild in der Hipf Hüpf Scene such, werde ich automatisch Hipf Hüpf hören und so rumlaufen. ich werde die selben Worte verwenden wie: „ey Alder, …“
    oder ich werde mir das positive mitnehmen und anfangen mein eigenes ich zu formen und herauszufinden wer ich bin.

    Wenn ich mich an ein Vorbild klammer, bin ich nicht mehr ich. Ich nehme Züge an, die nicht ich bin sondern die ich gern haben möchte aber nicht habe. (klingt irgendwie verwirrend)
    Ich habe mir z.b. angewöhnt, wenn ich Leute ärgern will, den finger ins Ohr zu stecken. Wobei ich ganz genau weis, das das eigentlich Ulis Art ist und ich versuch das zumindest so weit es geht zu verhindern.
    Es gibt Sachen, die man mitnehmen kann, aber nicht braucht.

    Wenn ich anfange mein Leben zu leben, komm ich auf eigene Blöde Ideen. ich kann z.B. die Augen rausdrehen und Leute in die Seite picksen.

    Aber ich werde mich niemals selbst finden, wenn ich immer das nachmach was andere mögen/machen. Früher warn es Leute, die z.b irgendwas gut gefunden haben, also hab ich das auch gemocht. Ich hatte keine eigene Meinung. Irgendwann hat es mich angekotzt, nicht ich zu sein. Ich weis nicht ob ihr es kennt. Ihr denkt, ihr seit jemand anders und als ihr in den Spiegel guckt, merkt ihr, das das was ihr seht nicht ihr seit, sondern eine Maske. So fühlte ich mich am ende meiner „schwarzen“ zeit. ich wusste ich bin lieb, nett, höflich aber habe nach außen hin etwas anderes gelebt als ich bin.
    Ich hab angefangen es hinzuwerfen, weil ich endlich MEIN LEBEN LEBEN WOLLTE. Ich hab mich nicht mit dem zufrieden gegeben, was andere von mir wollten, sondern habe angefangen das zu leben was ich gut finde und was mir gefällt. Scheiß auf das was andere tun.

    bartimäus hätte auch sagen können. ok alle anderen sind auch blind, bin ich halt auch blind und mach da mein bestes draus. er hätte sich mit der Blindheit abgeben können aber er wollte sehen, er wollte sein leben leben. ohne hindernisse, ohne auf das zu hören, was andere sagen. Die Leute sagten, sei leise, aber er schrie, er schrie so laut nach jesus bis jesus ihn geheilt hat. und das find ich toll. wir sollten uns nicht mit dem zufrieden geben, was wir haben. sondern sollen mehr wollen. Wie heist es so schön: wir werden größere dinge tun als jesus und tun wir das im moment??????

    Ich denke nicht.

  2. Jocky war bei einer Esotherik-Messe. Er hat mir erzählt, das ihn dort eine Frau gefragt hat: Wieviele Engel habt ihr? Welcher ist für was zuständig? Worauf er ein Bild gemalt hat mit einem großen Finger drauf und auf dem Finger ein kleiner Engel. Als Überschrift:

    „Why are you satisfied with something so small when there’s someone so much bigger?“

    Bolgeintrag dazu:

    Zufrieden mit so wenig?

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