2005

„Daß es vorbei ist“ antwortete meine Frau, als sie gefragt wurde, was 2005 am besten war. Irgendwie traf sie damit meine Stimmung, die ich in dem Moment empfunden habe. Es war bei den Jesus Freaks Darmstadt.
Dennoch war das Jahr für mich sehr „widersprüchlich“. Es fing recht harmlos an, idyllisch. Ich freundete mich mit jemanden von der „Ostfront“ an, die JF-Brückenau wuchsen und wir hatten tolle Parties, während sich das Klima in Darmstadt Stück um Stück verschlechterte. Freundschaften zerbrachen und eine recht gut „funktionierende“ Gemeinde wurde in 6 Monaten in eine depressive Gruppe „umgewandelt“. Warum, weshalb, wieso will ich hier nicht posten. Ich habe das letzte Jahr in der Hinsicht in der letzten Nacht nochmal revuepassieren lassen.
Doch auch an der Ostfront flogen die Fetzen. Ich fühlte mich gezwungen, jemanden anzuzeigen, der meiner Frau und mir mit Mord und Totschlag drohte (oder mindestens mit Krankenhaus), ich bekam „Kontaktverbot“ zu Menschen, bzw. es wurde in 4 Fällen Menschen vor die Entscheidung gestellt, ob sie nun mit mir oder deren Freund Kontakt haben wollten. Das verfolgte mich auf ähnliche Weise sogar bis zu den JF-Darmstadt. In 3 Fällen fiel die Entscheidung auf mich, letztlich.
Bei all der Scheiße, die in Darmstadt passiert ist, passierten viele gute Dinge in Bad Brückenau, Schweinfurt, Bad Kissingen. Irgendwie hat mir das auch geholfen. Ich wurde von vielen guten Dingen überrascht und bin Gott dankbar dafür. Es war ein Jahr voller Siege und Niederlagen.
In allem wurde ich von meiner Frau begleitet, die, neben der Krise in Darmstadt noch die „Nebensächlichkeit“ eines Referendariats hat(te). Der Urlaub dies Jahr war auch dementsprechend. Trotzdem finde ich es bewundernswert, wie sie alles deichelt(e). Ich bin froh, daß ich mir ihr verheiratet bin, weil ich ohne sie in diesem Jahr vmtl. ganz woanders gelandet wäre.
Mit einer Freundin wurde ein neues Kunstwort entwickelt: „Öhnen“. Es war eine Art, mehr oder weniger (selbst)ironisch mit verschiedenen Dingen umzugehen :-). Mit ihr teilte ich viel Freude und Leid und ich bin dankbar, daß sie da ist. Aber auch beeindruckt von ihr (worauf ich jetzt nicht näher eingehen will).
Und ich wurde für weitere Freundschaften offen, ich wurde gleich von 4 Mädchen als „Papa“ adoptiert und ich habe wirklich große Freude daran – soweit es eben meine Zeit zuläßt. Mir wurde mehr und mehr klar, daß ich endlich wirklich Papa werden will – was mir allerdings auch Angst macht (Angst zu versagen).
Zu Teenies habe ich eine gewisse Affinität bekommen, die ich aber noch prüfen will und werde. Ich halte mich an sich nicht für sehr „gut“, vetrauenswürdig oder für einen besonders weisen Menschen. Dennoch vertrauten sich viele Teenies an und ich bin darüber verwundert, dankbar und ja, auch gerührt. Aber ich habe (angeblich) auch älteren (und damit meine ich älter als ich es bin) Menschen geholfen.
Mir wurde erneut klar, daß ich Menschen auch Angst machen kann. Ich wirke anscheinend auch in gewisser Weise bedrohlich. Ist es der „Geist in mir“, der „düsterern Seelen“ Angst macht? Sicherlich könnte ich so argumentieren, aber ich will das nicht, weil ich mich damit als „besser“ hinsttellen würde, was ich nicht bin. Ich nehme an, es ist einfach die Angst vor dem Ungewohnten, das ich anscheinend ausstrahle.
2005 war ein Jahr voller Grenzverletzungen und Lernen, Grenzen zu respektieren. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die von Christen verletzt wurden. Das tut mir besonders weh – sowohl im „Osten“ als auch im „Westen“ Ich möchte als Christ echt sein/bleiben und niemals Menschen vorschreiben, wo sie langzugehen haben. Es war ein Jahr, in dem ich viel anzuhören hatte und ich wenig sagen konnte, viel zu wenig.
Es war ein Jahr, in dem ich ziemlich viele Menschen lieb gewonnen habe, aber auch ein Jahr, in dem ich viele Menschen verloren habe. Letzteres war für mich zum Teil bitter, zum Teil aber auch befreiend.
Ich hoffe, 2006 wird ruhiger, aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß es aufregend(er) werden wird als 2005, aber mit der Hoffnung, daß es überwiegend positive Aufregung sein wird.
sofx

9 Gedanken zu „2005“

  1. das mit dem kontaktverbot kommt mir irgendwie bekannt vor. ist das bei euch oft in der gegend? hab auch jemanden, allerdings an der westfront, verloren….

  2. wenns sachlich und fair bleibt ist das noch eine andere sache, sind doch die sichtweisen wie die menschen selbst recht unterschiedlich. nur halt hinterm r�cken mit v�llig fremden ausdiskutieren is stuhlgang. und dann kontaktverbot is doppelstuhl leicht cremig!

  3. meinste w�rgl�ch dat w�rd n�tzn? will ja nich kneifen, aber so anonym hat auch was 🙂 bin ma gespannt, ob ich �rnwo ne adress find von dir…

  4. da kann man nur sagen… das Leben ist spannend und wird es auch bleiben. Ich merke in den letzten Monaten, das ich oft nichts sehe. Keinen �berblick habe, wozu was gut ist. Uli, ich denk du wei�t, was ich mein. Trotzdem denk ich, das „Papi“ uns nie im Stich l�sst. Oft merken wir ert hinter her, was f�r Hirnis wir waren und wo man sich dann denkt, schei�e… h�tt ich doch mal…Da denk ich: jo…schei�e war’s und nu lern draus.

  5. hey
    ich hab dich dieses Jahr kennen gelernt. Und ich muss sagen das dieses Jahr f�r mich die gr��te Bereicherung in meinem ganzen Leben war. Finds jedes mal auf neue cool wenn ich dir zuh�ren kann wenn du thema machst.
    Wei� net, aba ich hoffe das wir des Jahr zusammen durchstehen und das du weiterhin zu den JF-brk kommen wirst^^
    sofx

  6. Schon erstaunlich, welche Erg�sse man hier so lesen kann. Schaltet halt �fters den bl�den Blechtrottel aus und k�mmere dich einfach um den rest der Welt, nennt man Realit�t und die ist oft hart.

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